Radioaktiver Chemie-Fund in Chemnitz: Spur führt zu ehemaliger Sowjet-Kaserne

Chemnitz - Der Fund von giftigen, wahrscheinlich radioaktiven Ampullen in einem Chemnitzer Waldstück beschäftigt die Einsatzkräfte weiter. Am Donnerstag waren erneut zahlreiche Feuerwehr- und Polizeikräfte im Einsatz. Das Ziel: Die giftigen Stoffe beseitigen. Die zentrale Frage bleibt: Woher kommen die Chemikalien?

In Schutzanzügen untersuchten die Einsatzkräfte am Dienstag den giftigen Fund. Dabei schlug der Geigerzähler aus - eine radioaktive Strahlung wurde gemessen.  © Chempic

Wie ein Sprecher der Chemnitzer Polizei mitteilt, wurden bereits am Dienstag "mehrere Dutzend Ampullen" in einem Waldstück an der Irmtraud-Morgner-Straße im Stadtteil Ebersdorf gefunden. Die Einsatzkräfte riegelten den Bereich ab.

Die Feuerwehr traute sich nur in Schutzanzügen an die Ampullen heran. "Es handelt sich um einen Chemikalienfund", teilt die Polizei mit. Der genaue Stoff muss erst noch ermittelt werden.

Fakt ist aber: Die Experten konnten eine erhöhe radioaktive Strahlung messen. Zudem ist eine Explosionsgefahr nicht ausgeschlossen.

Die große Frage: Wie kamen die Ampullen in das Waldstück? Offenbar lagen sie bereits eine Weile dort. Laut Polizei gebe es aktuell keinen Straftatverdacht.

Heißt: Dass die Ampullen mit böser Absicht in das Wäldchen gebracht worden sind, ist unwahrscheinlich.

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Auch am Donnerstag waren Polizei- und Feuerwehrkräfte vor Ort. Der Chemie-Fund soll beseitigt werden.  © Chempic

Giftige Stoffe ein Überbleibsel von ehemaliger Kaserne?

Ein Bild von 1992: Die ehemalige Sowjet-Kaserne wurde völlig vermüllt hinterlassen! Gut möglich, dass die giftigen Ampullen von der Militäreinrichtung stammen.  © Härtelpress

Wahrscheinlicher ist, dass die Chemikalien von einer ehemaligen Kaserne stammen, die früher auf dem Gelände stand. In der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) waren Nachrichten- und Aufklärungstruppen der Deutschen Wehrmacht in den Gebäuden stationiert. Nach dem 2. Weltkrieg zog das sowjetische Militär ein. Seit 1992 wurden die Gebäude saniert und zu Wohnungen umgebaut.

Bei dem Chemie-Fund könnte es sich demnach möglicherweise um Rückstände von Militäroperationen handeln, die seit vielen Jahren im Boden vergraben waren.

Immerhin: Laut Polizei mussten keine Anwohner evakuiert werden. Da die Ampullen nicht transportiert werden können, wird nun an der Beseitigung vor Ort gearbeitet. Dazu sind derzeit Feuerwehr, Experten des Landeskriminalamtes (LKA) Sachsen und die Polizei im Einsatz.

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Wie lange es dauert, bis die Chemikalien beseitigt sind, ist unklar.

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