So spannend! Hobby-Historiker arbeitet Chemnitzer Geschichte auf
Chemnitz - Seine Leidenschaft ist die Stadtgeschichte: Andreas Hütter (54) veröffentlicht im Internet spannende Beiträge mit zum Teil bislang unbekannten Details zur Chemnitzer Historie. Um sein umfangreiches Wissen weiterzugeben, lässt er dabei kein Thema aus.
Auf seiner Homepage chemnitz-gestern-heute.de ist nicht nur eine detaillierte Darstellung zur Chemnitzer Luftfahrtgeschichte zu finden. Andreas Hütter geht auch auf Entstehung und Entwicklung von Plätzen und Gebäuden wie den Markt oder den Chemnitzer Hof ein. Außerdem stellt er berühmte Personen wie den erfolgreichen Rennfahrer Willy Pöge (1869-1914) näher vor. "Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aber ich stoße immer wieder auf faszinierende Geschichten und gehe diesen dann näher auf den Grund."
Bei seinen Recherchen greift Andreas Hütter neben seiner umfangreichen Bücher- und Dokumentensammlung hauptsächlich auf digitalisierte Artikel aus alten Zeitungen und Zeitschriften zurück. Auszüge aus den Quellen veröffentlicht der Hobbyhistoriker auf seiner Homepage auch im Originalwortlaut, um die Authentizität seiner Beiträge hervorzuheben.
Das Projekt startete Andreas Hütter 2018. "Ältere Webseiten zur Chemnitzer Geschichte werden stellenweise nicht mehr gepflegt. Außerdem sind dort viele Fakten, wie in vielen anderen Publikationen, nur sehr oberflächlich dargestellt." Der gebürtige Klaffenbacher kämpft gegen das Vergessen.
"Ich möchte die Leute darauf hinweisen, wie schön unser Chemnitz einmal war und welche interessante Geschichte, mit all ihren Facetten, die Stadt aufzuweisen hat. Es ist ein sehr aufwendiges Hobby. Zum Glück finde ich bei meiner Freundin das notwendige Verständnis dafür."
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Viele Geschichten sind den Chemnitzern bisher unbekannt
Viele spannende Fakten und Geschichten, die Andreas Hütter auf seiner Homepage publiziert, sind wohl der Mehrheit der Chemnitzer bislang unbekannt. Zum Beispiel diese Geschichten:
Gleich mehrere Beiträge widmet Andreas Hütter dem Unternehmer Hermann Michaelis (1839-1911). Heutzutage ist der ideenreiche Techniker kaum noch jemandem einem Begriff. Doch Ende des 19. Jahrhunderts sorgte er für eine bahnbrechende Erfindung. 1876 stellte Michaelis in Chemnitz Dampfwagen zur Beförderung von Frachten her.
"Der Mann hat den Güterverkehr in Chemnitz und Sachsen auf die Straße gebracht", sagt Hütter. Später beförderte Michaelis im Stadtgebiet auch regelmäßig Personen mit von ihm entwickelten Dampfbussen. Seine Innovationen konnten sich letztendlich aber nicht durchsetzen.
1895 wurde in Chemnitz eine der ersten Luftfahrtvereine Deutschlands gegründet. Doch schon 1809 stieg der Franke Sebastian Bittorf an der heutigen Ecke Augustusburger-/Dresdner Straße in die Lüfte. Weniger beachtet wurde in den Geschichtsbüchern die Auffahrt des Franzosen Théodore Sivel († 1875) an der Beckerstraße. Dabei war es 1873 der erste Aufstieg in Chemnitz mit einem Passagier.
Wie Hütter herausfand, fand zwölf Jahre später noch eine weitgehend unbekannte Ballonfahrt durch den Luftschiffer Carl Securius (1846-1890) statt. Es dauerte weitere fünf Jahre, ehe es in der Stadt regelmäßig Ballonfahrten gab.

