Chemnitz - Hundertfaches Erinnern im Alltag: Mittlerweile gibt es im Chemnitzer Stadtgebiet 360 "Stolpersteine". Am Mittwoch sind 19 dazugekommen.
Die in den Boden eingelassenen Messingplatten vor den letzten Wohnorten von NS-Opfern sollen an deren tragische Schicksale erinnern. Angehörige von sechs Familien waren für die Verlegungen am Mittwoch angereist. Sie haben teils einen langen Weg aus Israel, den USA und Großbritannien auf sich genommen.
Zu den Angehörigen gehört auch Tana Sachs. Sie kam 1939 in Chemnitz als Tochter von Hanna Luise und Gerhard Sachs zur Welt, die in der Eulitzstraße 13 wohnten. Kurz darauf floh die jüdische Familie nach Argentinien.
Am Mittwoch kehrte Tana Sachs zurück nach Chemnitz. Sie reiste extra aus Kanada an, um bei der Verlegung des Stolpersteins ihrer Mutter dabei zu sein. "Für mich ist es sehr ergreifend und wichtig", sagte Sachs. Bereits zwei Stolpersteine von ihren Großeltern Dr. Fritz und Margot Cohn befinden sich dort.
Weitere Stolpersteine sollen im Herbst verlegt werden. Dafür müsse erst noch recherchiert werden, so Projektleiterin Cornelia Siegel. Dieser Aufgabe widmet sich Historiker Jürgen Nitsche gemeinsam mit Akteuren der Stadtgesellschaft.
Die Kosten für Herstellung und Verlegung pro Stein belaufen sich auf 120 Euro. Hierfür können Privatpersonen, Schulen oder Institutionen die Patenschaft übernehmen.