Chemnitz - Wie reagieren Menschen, wenn ihnen im Alltag plötzlich ein Roboter begegnet? Dieser Frage gehen Forscher der TU Chemnitz nach. Dafür gab es jüngst eine Studie mit Überraschungseffekt. Außerdem besuchte Marty Friedrich (32) von der Professur für Arbeitswissenschaft und Innovationsmanagement mit TAG24 Orte in Chemnitz, an denen solche Begegnungen schon zur Normalität geworden sind.
Bei der Studie trafen 77 Freiwillige einzeln auf einen rollenden Putz-Roboter, der Sauggeräusche machte. "Sie ahnten nicht, dass dieses scheinbar zufällige Zusammentreffen bereits zum Versuch gehörte und beobachtet wurde", so Marty Friedrich.
Die Wissenschaftler hatten den Versuchs-Roboter mit der Aufschrift "Müll fressende Maschine" ausgerüstet. Eine Senioren-Gruppe, die zufällig vorbeikam, reagierte prompt: "Sie warfen extra ein Stück Papier hin, um zu schauen, ob das klappt."
Interessierte Reaktionen dokumentierte Marty Friedrich am häufigsten: "Manche fotografierten oder begleiteten den Roboter ein Stück. Ein Mann schaute sogar darunter. Es gab wenig skeptische Reaktionen, selten ängstliche."
Das Ziel der Forscher: "Wir wollen herausfinden, welche Faktoren die Akzeptanz von Robotern im öffentlichen Raum beeinflussen."
Diese Art von Begegnung zwischen Mensch und Maschine ist keine Seltenheit mehr. "Es gibt in Chemnitz Supermärkte mit Reinigungsrobotern, Servierroboter in Restaurants. Decathlon nutzt einen Inventurroboter und in der Innenstadt lief ein Test mit einem Roboter, der Müll sammelt", zählt der Ingenieurpsychologe auf.
Bei Edeka putzt "Harald"
In zwei Edeka-Märkten in Bernsdorf sorgen seit einigen Monaten Roboter für Sauberkeit - einer wird von der Belegschaft liebevoll "Harald" genannt. Zweimal täglich kurven sie rund zwei Stunden durch die Gänge.
"Anfangs konnten sie die Plexiglas-Sperren an den Kassen nicht erkennen und sind dagegen gefahren. Das haben wir behoben", erzählt Marktchef Philipp König (50).
Kunden reagieren unterschiedlich auf die Roboter. "Kinder ziehen ihre Eltern an der Hand und folgen ihnen, Senioren sind skeptischer."
König möchte die Blechkollegen nicht mehr missen: "Sie merken sich Areale, die besonders verschmutzt sind und putzen dort gründlicher."
Kundin Tina Goldammer (50) sagt: "Der Reinigungsroboter ist nützlich. Stören würde es mich, wenn Roboter in sensiblen Bereichen wie am Empfang in Arztpraxen eingesetzt werden."
"Bella" darf man streicheln
Im Asia Palast von Mirko Yu (30) bringt der Servierroboter "Bella" das Essen. "Ich habe ihn ursprünglich als Attraktion für die Kinder angeschafft, die bei uns essen."
Mit einem Katzengesicht auf dem Bildschirm rollt "Bella" durchs Lokal und verkündet am Tisch: "Ihr Essen ist da." Sie bedankt sich bei den Gästen für das Abnehmen der Teller und wünscht "Guten Appetit".
Wird "Bella" gestreichelt, drückt sie Freude aus - und dass sie in Ruhe gelassen werden will, wenn Gäste zudringlich werden.
Für Mirko Yu ist "Bella" mittlerweile der liebste Mitarbeiter: "Er macht das, was ich früher gemacht habe. Ich habe jetzt Zeit für anderes."
Roboter-Test auf dem Markt
Der Müllsammel-Roboter, den der Stadtreinigungsbetrieb ASR 2025 im Stadtzentrum Zigarettenkippen, Glassplitter und Kronkorken sammeln ließ, hat sich im Testbetrieb nicht bewährt: zu gefährlich, hieß es von der Stadt.
"Der Roboter verändert - für Außenstehende vorab nicht erkennbar - selbstständig die Fahrtrichtung. Nähern sich Personen, kann das zu Unfällen führen, wenn der Roboter plötzlich ausschwenkt", so eine Stadtsprecherin.