Chemnitz - Die Wogen um die Schauspielhaus-Zukunft schlagen weiter hoch. Jetzt mischen sich auch AfD und BSW lautstark ein. Der Verein "Viadukt" und das Chemnitzer Stadtforum haben zudem eine Online-Petition gestartet. Die Forderungen gehen jeweils weit auseinander.
Die AfD-Fraktion um Nico Köhler (49) setzt auf eine neue Idee: ein Schauspielhaus auf der wahrscheinlich frei werdenden Busbahnhof-Fläche an der Straße der Nationen gegenüber dem Schillerplatz. Der Standort liege in Zentrumsnähe, in direkter Nachbarschaft zum Opernhaus, habe eine "sehr gute ÖPNV-Anbindung" und könnte sogar den Brühl beleben.
Von einem Anbau am Opernhaus hatte auch OB Sven Schulze (54, SPD) in einem "Freie Presse"-Interview gesprochen. Parallel sammelt die AfD-Stadtratsfraktion auf ihrer Homepage per Bürgerumfrage die Stimmung ein und lässt dort gleich über mehrere Varianten abstimmen – von Zieschestraße über Spinnbau bis zur Busbahnhof-Lösung.
Von der BSW-Fraktion kommt dagegen scharfer Gegenwind gegen das politische Hin und Her: "Wo es Mut und Ideenreichtum bräuchte, spielt man Provinztheater", meinen Enrico Hilbert (49) und Dietmar Holz (65) in einer gemeinsamen Erklärung.
Petition fordert erhalt vom Schauspielhaus
Beide halten am Gedanken eines zukunftsfähigen Theaterneubaus auf dem Spinnbau-Gelände in Altchemnitz fest, wie ihn in dieser Woche auch die Grünen gefordert hatten. Außerdem "braucht es mehr Geld für die Sanierung von Opernhaus und einen Theaterneubau".
Zusätzlichen Druck machen jetzt der Verein "Viadukt" und das Stadtforum Chemnitz, zwei Chemnitzer Initiativen für Stadtentwicklung und Denkmalpflege. Seit dieser Woche fordern sie in einer Petition: "Das Chemnitzer Schauspielhaus soll erhalten werden."
Die Initiatoren warnen, eine Zusammenlegung von Schauspiel und Oper im Opernhaus würde zum "Kulturabbau" führen. Gefordert werden "der Erhalt einer eigenen Spielstätte für das Sprechtheater" und die Sanierung des alten Schauspielhauses an der Zieschestraße. Zu Redaktionsschluss hatte die Petition rund 400 Unterschriften.