Wenn Liebe Leben rettet: Mann spendet seiner Frau eine Niere

Chemnitz - Nach massiven gesundheitlichen Beschwerden und tiefgreifenden Einschnitten für die gesamte Familie hat Ina Chleborad nun durch eine Nierenspende ihres Ehemannes Sylko eine neue Lebensqualität.

Dr. med. Alexander Paliege (v.l.), Chefarzt der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen des Klinikums Chemnitz, die Patientin Ina Chleborad (58) und ihr Ehemann Sylko Chleborad.  © Klinikum Chemnitz

Jahrelang prägten die Folgen einer genetischen Nierenerkrankung das Leben der 58-Jährigen. Die Krankheit habe ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt und sie zehn Jahre Lebenszeit gekostet.

Sie ist familiär vorbelastet, daher war abzusehen, dass Ina Chleborad eines Tages an Zystennieren leiden würde. Da das Risiko einer Vererbung bei 50 Prozent lag, wurde sie schon als Kind regelmäßig untersucht: "Ich fürchtete mich davor, dass mich dasselbe Schicksal ereilt wie meinen Vater, der Dialyse und Bypässe benötigte. Der Gedanke an ein durch Krankheit bestimmtes Leben beunruhigte mich", erinnert sie sich.

Die zweifache Mutter und Physiotherapeutin lebte lange ohne Beschwerden, bis sie im Jahr 2002 plötzlich während der Arbeit bewusstlos wurde. Die Ursache dafür war Bluthochdruck - ein Frühsymptom. Trotzdem fühlte sich die Radebergerin zunächst gut. Doch etwa acht Jahre später wurden ihre Beschwerden dann massiv.

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"Vor meiner Betreuung im Universitätsklinikum Dresden und später im Klinikum Chemnitz fehlte über viele Jahre hinweg eine adäquate, auf mein Krankheitsbild spezialisierte Behandlung. Hier hätte ich mir früher mehr Sensibilität und fachliche Expertise gewünscht."

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Sylko Chleborad: "Für meine Frau würde ich das jederzeit wieder tun, wenn ich könnte"

Als regionales Zentrum für Nephrologie begleitete die Klinik die Patientin von der Diagnostik über die Vorbereitung der Transplantation bis hin zur langfristigen Nachsorge auf höchstem medizinischem Niveau.  © Uwe Meinhold

Dr. Alexander Paliege, Chefarzt der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen des Klinikums Chemnitz, beschreibt den typischen Verlauf: "Bis etwa zum 30. Lebensjahr kompensiert gesundes Gewebe die Arbeit der Zysten. Danach nehmen die Zahl und Größe der Zysten massiv zu, sodass das Volumen der Nieren deutlich wächst, was zu Rückenschmerzen und Völlegefühl führt."

Bei Ina Chleborad riss dann das Gewebe teilweise ein, deshalb hatte sie Blut im Urin. Die Organleistung sank im Jahr 2016 unter 15 Prozent - in dem Stadium kann die Entgiftungsfunktion des Körpers kaum noch aufrechterhalten werden. Die Patientin litt unter Wassereinlagerungen, Atemnot, Übelkeit und Juckreiz. Im Januar 2018 musste die linke Niere dann aufgrund der massiven Organvergrößerung und wiederkehrender Entzündungen entfernt werden.

Ehemann Sylko entschied sich, seiner Frau eine Niere zu spenden. Trotz einiger Hürden konnte die Transplantation im März 2018 erfolgreich durchgeführt werden. Sylko Chleborad, der danach ein Jahr lang arbeitsunfähig war, betont: "Mir wurde gesagt, dass aus einem gesunden Menschen ein kranker gemacht wird. Doch das hat mich nicht abgeschreckt. Für meine Frau würde ich das jederzeit wieder tun, wenn ich könnte."

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Seit dem vergangenen Jahr lebt Ina Chleborad nur noch mit der Niere ihres Mannes, da ihre rechte Niere auch entfernt werden musste.

Familie unterstützt Ina Chleborad

Ina Chleborad hat über Jahre vieles durchmachen müssen. Sie wurde arbeitsunfähig, 2012 ging sie in Rente. "Eine besonders schmerzhafte Entscheidung musste sie treffen, als sie nach ihrer Diagnose ein drittes Mal schwanger wurde: Da die Schwangerschaft lebensbedrohlich für sie war und das Kind nicht lebensfähig gewesen wäre, musste sie einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen", heißt es in der Mitteilung vom Klinikum Chemnitz.

Ihre Familie stand in diesen Zeiten immer hinter ihr: "Ich bin meiner Familie für ihre Unterstützung so dankbar. Sie haben immer zu mir gehalten, obwohl sie auf vieles verzichten mussten", sagt sie heute mit Tränen in den Augen.

Die 58-Jährige kann nun wieder weitgehend ein normales Leben führen. Sie achtet auf eine salzarme und gesunde Ernährung und treibt Sport. Alle drei bis sechs Monate geht sie zur Nachsorge inklusive Ultraschalluntersuchung in die Klinik.

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