Wer hat zu Hause die Mehrheit? Joseph Israel (Grüne) und Marko (FDP) Trautmann über Liebe und Politik
Chemnitz - Wenn Stadtrat Joseph Israel (27, Grüne) aus Chemnitz nach einer langen Sitzung nach Hause kommt, wartet dort nicht nur sein Verlobter. Es wartet auch ein Mann von der politischen Konkurrenz: Marko Trautmann (34, FDP). Auf dem Chemnitzer Sonnenberg führen die beiden seit Jahren vor, was in der großen Politik oft unmöglich erscheint: Grüne und Liberale können miteinander reden, Kompromisse schließen - und sich sogar lieben.
Kennengelernt haben sich Joseph und Marko 2015. "Ganz klassisch: im Internet", erzählen sie lachend. Als sie ein Paar wurden, war keiner von beiden Mitglied einer Partei.
Die politische Farbenlehre kam erst später in die Beziehung. Marko trat 2019 der FDP bei, Joseph ein Jahr später den Grünen. "Wir waren von Anfang an ein Stück weit unterschiedlich", sagt Marko. Trotzdem verbinde beide eine gemeinsame Grundüberzeugung: die liberale Demokratie und eine freiheitliche Gesellschaft.
Politischer Dauerstreit am Frühstückstisch? Fehlanzeige. "Im Privatleben sind wir weniger politisch, als man vielleicht annehmen mag", erzählt Joseph.
Häufiger gehe es um konkrete Erlebnisse: Joseph berichtet nach Sitzungen, was im Stadtrat wieder los war, Marko erzählt aus dem FDP-Kreisvorstand. Dann wird diskutiert, eingeordnet und manchmal auch gelacht.
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Grünen-Politiker Joseph Israel: "Es ist in einer Beziehung wie in der Politik: Man muss einen Kompromiss finden"
Ganz ohne Meinungsunterschiede wäre die Beziehung allerdings verdächtig harmonisch. Vor allem beim Thema Mobilität treffen grüne und gelbe Reflexe aufeinander. Joseph reist gern mit der Bahn, Marko möchte im Urlaub lieber schnell und günstig ans Ziel kommen – und steigt dafür auch ins Flugzeug.
Die Lösung: Beide sind schon mit dem Zug von Chemnitz bis nach Sizilien und sogar bis Tarifa an der Straße von Gibraltar gefahren. Zurück ging es dann mit dem Flugzeug. "Da ist es in einer Beziehung wie in der Politik: Man muss einen Kompromiss finden", sagt Joseph.
Joseph arbeitet als Erzieher in der Chemnitzer Kita "Zeisigwaldfüchse" und sitzt für die Grünen im Stadtrat. Marko berät Autohäuser, optimiert dort Abläufe und engagiert sich in der FDP. Seit sieben Jahren wohnen sie auf dem Sonnenberg.
Anfeindungen auf der Straße mussten die beiden als Paar bislang nicht erleben. "Da haben wir sicher auch Glück gehabt", sagt Marko. Allerdings tragen sie ihre Beziehung in der Öffentlichkeit nicht demonstrativ vor sich her. Händchenhalten und wildes Knutschen auf offener Straße seien einfach nicht ihr Ding.
Den nächsten großen gemeinsamen Schritt haben Joseph und Marko längst beschlossen: Sie sind verlobt. Nur der Hochzeitstermin fehlt noch. Joseph hat bereits ziemlich konkrete Vorstellungen, Marko vor allem einen Wunsch: "Ich möchte einfach eine große Party."
Und wo sehen sie sich in zehn Jahren? Vielleicht verheiratet, vielleicht in einem Haus, vielleicht mit Hund oder sogar mit einem Kind. Auch der Umzug in eine größere Stadt war schon Thema. Festgeschrieben ist davon nichts. "Wir nehmen das Leben so, wie es kommt", sagt Joseph.
Titelfoto: Uwe Meinhold

