Wilde Tierschutz-Debatte im Chemnitzer Stadtrat: Hier geht's zu wie im Taubenschlag

Chemnitz - Tauben, Turteln, Tierschutz und ziemlich viel Theater: Im Chemnitzer Stadtrat ist ein Antrag der Linken für ein Stadttauben-Management nach Augsburger Vorbild zur grotesken Grundsatzdebatte geworden.

Susanne Schaper (48, Linke) warb im Rat leidenschaftlich für ein Stadttauben-Management nach Augsburger Vorbild.
Susanne Schaper (48, Linke) warb im Rat leidenschaftlich für ein Stadttauben-Management nach Augsburger Vorbild.  © Sven Gleisberg

Eigentlich ging es nur um einen Prüfauftrag: Die Stadtverwaltung sollte untersuchen, ob Tauben in betreuten Taubenschlägen angesiedelt, dort versorgt und ihre Eier regelmäßig gegen Attrappen ausgetauscht werden könnten.

Susanne Schaper (48, Linke) ahnte schon, dass viele den Vorstoß "als lächerlich oder unnötig ansehen". Genau das wollte sie nicht gelten lassen: "Tierschutz, in diesem Fall Taubenschutz, ist nichts Banales", sagte sie und hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für die oft verachteten Vögel.

Schaper erinnerte an die lange gemeinsame Geschichte von Mensch und Taube, sprach von Liebessymbol, Friedenssymbol und Märchenfigur - und warb mit Pathos um Zustimmung: "Lassen Sie die Taube nicht nur Symbol sein, sondern finden Sie auch ein Herz dafür!"

Tauben auf Futtersuche in Chemnitz: Gerade am Hauptbahnhof und an der "Zenti" sehen Tierschützer Handlungsbedarf.
Tauben auf Futtersuche in Chemnitz: Gerade am Hauptbahnhof und an der "Zenti" sehen Tierschützer Handlungsbedarf.  © Sven Gleisberg
Deine täglichen News aus Chemnitz

Jeden Morgen die wichtigsten Nachrichten direkt in dein Postfach.

  • Lokale Nachrichten aus Chemnitz & Umgebung
  • Exklusive Hintergrundberichte
  • Jederzeit abbestellbar
Deine Anmeldung konnte nicht gespeichert werden. Bitte versuche es erneut.
Deine Anmeldung war erfolgreich. Bitte bestätige die E-Mail, die wir dir gesendet haben.
Mit deiner Anmeldung stimmst du unseren Datenschutzbestimmungen zu.

Detlef Wuttke (64, CDU): "Was wir hier erleben, ist der Versuch, ein neues Thema zu erfinden."

Detlef Wuttke (64, CDU, r.) verfolgt die Debatte um das Taubenmanagement im Stadtrat mit skeptischem Blick.
Detlef Wuttke (64, CDU, r.) verfolgt die Debatte um das Taubenmanagement im Stadtrat mit skeptischem Blick.  © Kristin Schmidt

Doch nicht jeder im Saal bekam bei so viel Tauben-Romantik glänzende Augen. Das Urteil von Detlef Wuttke (64, CDU) fiel hart aus: "Was wir hier erleben, ist der Versuch, ein neues Thema zu erfinden."

Der Antrag produziere neue Kosten und schaffe Bürokratie. Als Schaper später nachlegte, konterte Wuttke noch schärfer und warf der Linken vor, aus Chemnitz eine "Lieferando-Stadt" machen zu wollen: "Sie liefert alles für den Bürger. Sie kümmert sich um alles, was es hier irgendwie gibt."

Auch aus der AfD kamen "bemerkenswerte" Beiträge. Bob Polzer (66, AfD): "Wenn ich Taube wäre, würde ich das Futter nehmen, aber trotzdem woanders brüten."

Chemnitz: Chemnitzer Schlossteich-Baustellen werden zu Brummifalle
Chemnitz Lokal Chemnitzer Schlossteich-Baustellen werden zu Brummifalle

Am Ende scheiterte die Linke ganz knapp mit ihrem Vorstoß.

Titelfoto: Bildmontage: Kristin Schmidt, Sven Gleisberg (2)

Mehr zum Thema Chemnitz Lokal: