Wilde Tierschutz-Debatte im Chemnitzer Stadtrat: Hier geht's zu wie im Taubenschlag
Chemnitz - Tauben, Turteln, Tierschutz und ziemlich viel Theater: Im Chemnitzer Stadtrat ist ein Antrag der Linken für ein Stadttauben-Management nach Augsburger Vorbild zur grotesken Grundsatzdebatte geworden.
Eigentlich ging es nur um einen Prüfauftrag: Die Stadtverwaltung sollte untersuchen, ob Tauben in betreuten Taubenschlägen angesiedelt, dort versorgt und ihre Eier regelmäßig gegen Attrappen ausgetauscht werden könnten.
Susanne Schaper (48, Linke) ahnte schon, dass viele den Vorstoß "als lächerlich oder unnötig ansehen". Genau das wollte sie nicht gelten lassen: "Tierschutz, in diesem Fall Taubenschutz, ist nichts Banales", sagte sie und hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für die oft verachteten Vögel.
Schaper erinnerte an die lange gemeinsame Geschichte von Mensch und Taube, sprach von Liebessymbol, Friedenssymbol und Märchenfigur - und warb mit Pathos um Zustimmung: "Lassen Sie die Taube nicht nur Symbol sein, sondern finden Sie auch ein Herz dafür!"
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Detlef Wuttke (64, CDU): "Was wir hier erleben, ist der Versuch, ein neues Thema zu erfinden."
Doch nicht jeder im Saal bekam bei so viel Tauben-Romantik glänzende Augen. Das Urteil von Detlef Wuttke (64, CDU) fiel hart aus: "Was wir hier erleben, ist der Versuch, ein neues Thema zu erfinden."
Der Antrag produziere neue Kosten und schaffe Bürokratie. Als Schaper später nachlegte, konterte Wuttke noch schärfer und warf der Linken vor, aus Chemnitz eine "Lieferando-Stadt" machen zu wollen: "Sie liefert alles für den Bürger. Sie kümmert sich um alles, was es hier irgendwie gibt."
Auch aus der AfD kamen "bemerkenswerte" Beiträge. Bob Polzer (66, AfD): "Wenn ich Taube wäre, würde ich das Futter nehmen, aber trotzdem woanders brüten."
Am Ende scheiterte die Linke ganz knapp mit ihrem Vorstoß.
Titelfoto: Bildmontage: Kristin Schmidt, Sven Gleisberg (2)
