Chemnitz will sich "einpollern": Was sagen Politiker und Bürger dazu?

Chemnitz - Nach der Amokfahrt in Leipzig ist die Sicherheitsdebatte auch in Chemnitz wieder voll entbrannt. Die Stadt will mit konkreten Sicherheitsmaßnahmen reagieren: Oberbürgermeister Sven Schulze (54, SPD) kündigte an, aus dem Sondervermögen des Bundes Geld in versenkbare Poller im Zentrum zu investieren.

OB Sven Schulze (54, SPD) will Geld in die Innenstadt-Sicherheit investieren.  © Uwe Meinhold

"Ziel ist es, einen permanenten und steuerbaren Zufahrtsschutz für die Innenstadt zu errichten", so Schulze. Bis zu zwei Millionen Euro sollen dafür eingeplant werden.

In der Politik stoßen die Pläne auf ein geteiltes Echo. Die Grünen stellen klar, dass Sicherheit nicht allein über bauliche Maßnahmen zu erreichen sei: "Poller können helfen, aber wer glaubt, damit seien die Probleme gelöst, greift zu kurz", sagt Volkmar Zschocke (57). Es brauche auch Prävention und bessere soziale Strukturen.

Linken-Fraktions-Chefin Susanne Schaper (48) befürwortet vorbeugende Maßnahmen, warnt wiederum aber auch davor, "das Stadtzentrum zu einer Festung zu machen und 'sicherheitseifrig' das Stadtbild zu verschandeln".

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Für AfD-Stadtrat Nico Köhler (49) ist die geplante Maßnahme "besser, als alles während Veranstaltungen mit schweren Betonsteinen temporär zu verbarrikadieren".

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Susanne Schaper (48, Linke) befürwortet vorbeugende Maßnahmen.  © Stefan Häßler
Für Volkmar Zschocke (57, Grüne) sei Sicherheit nicht allein über bauliche Maßnahmen zu erreichen.  © Sven Gleisberg

Poller-Idee findet bei Polizei Anklang

Polizeisprecher Andrzej Rydzik begrüßt den Vorschlag.  © Maik Börner

Zugleich verweist er auf mögliche zusätzliche Wartungskosten. Kai Hähner (53, CDU) stellt grundsätzlich die Finanzierung über das Sondervermögen infrage.

Dieses sei zu knapp bemessen, findet auch die SPD: "Die Finanzierung der Poller muss daher auf andere Weise, zum Beispiel durch Kreditaufnahme, erfolgen", sagt Stadtrat Jürgen Renz (51).

Bei der Polizei findet der Vorschlag Anklang: Man begrüße die Überlegungen der Stadtverwaltung, sagt Sprecher Andrzej Rydzik auf TAG24-Nachfrage.

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Einen "hundertprozentigen Schutz vor solchen irrationalen Taten wie jüngst in Leipzig und im italienischen Modena" gebe es jedoch nie.

Die Bretgasse ist eine Zufahrtsstraße zum Markt, die künftig mit versenkbaren Pollern geschützt werden könnte.  © Kristin Schmidt
In den vergangenen Jahren wurden die Zufahrtswege auf dem Weihnachtsmarkt zusätzlich durch Fahrzeuge versperrt.  © Haertelpress/Harry Härtel

Würden sich die Chemnitzer dann sicherer fühlen?

Petra Coit (82), Rentnerin.  © Kristin Schmidt

Petra Coit (82), Rentnerin

"Na klar. Hier laufen immer wieder Events auf dem Markt. Da ist es schon günstig, wenn solche Veranstaltungen geschützt werden. Ich finde das schon wichtig. Zum Glück ist hier noch nichts passiert."

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Susan Kramer (42), Streitschlichterin.  © Kristin Schmidt

Susan Kramer (42), Streitschlichterin

"Poller können keine Sicherheit gewährleisten. Einzelne Verrückte können nicht durch Politik aufgehalten werden. Es braucht Vertrauen. Ansonsten vermittelt es Unsicherheit."

Kay Andrä (55), Einzelhändler.  © Kristin Schmidt

Kay Andrä (55), Einzelhändler

"Sicher fühle ich mich dadurch nicht, aber wenn es dazu dient, warum nicht. Ich finde das schon krass, dass man jetzt erst darüber nachdenkt hinsichtlich der ganzen gemachten Erfahrungen."

Jannis Augustin (20), Verkäufer.  © Kristin Schmidt

Jannis Augustin (20), Verkäufer

"Ich finde es prinzipiell gut und auch wichtig, aber man muss es jetzt nicht durchgängig dahaben. Senkbare Poller sind vorteilhaft, man sollte es nur mit den Lieferfahrzeugen absprechen, dass sie die Anfahrten nutzen können."

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