Chemnitz - An Chemnitzer Schulen brennt der Bedarf, doch immer öfter bleibt Hilfe aus. 20 Schulleiter haben einen Schulsozialarbeiter angefordert – doch die Stadt hat dafür kein Geld. Das geht aus dem neuen Gesamtkonzept zur Schulsozialarbeit hervor.
Welche Schulen konkret warten, will die Stadt auf TAG24-Anfrage nicht sagen. Die Antwort einer Rathaussprecherin fällt knapp aus: "Dies ist nicht Teil der öffentlichen Diskussion."
Auch eine Warteliste nach Priorität gibt es bereits, aber: "Auch diese wird nicht öffentlich diskutiert", heißt es schroff.
Gut 50 Angebote an Chemnitzer Schulen kann die Stadt finanziell schultern. Gesamtkosten: rund 4 Millionen Euro. Der Freistaat schießt die Hälfte davon zu, der Rest bleibt an der Stadt hängen.
Politisch ist das Thema heikel. Schon im April wollte der Jugendhilfeausschuss das neue Konzept nicht einfach durchwinken.
Die Vorlage wurde zurück in den Unterausschuss geschickt, Bürgermeisterin Dagmar Ruscheinsky (67, parteilos) bekam Hausaufgaben und musste die Spielregeln für Schulsozialarbeit nachschärfen: mehr Kriterien, mehr Kontrolle, mehr Möglichkeiten zum Umverteilen.
Doch kein Sozialarbeiter für die Grundschule Sonnenberg
Und eine weitere Hiobsbotschaft: Eigentlich sollte der Jugendhilfeverein "Don Bosco" an der Grundschule Sonnenberg für Hilfe auf dem Schulhof sorgen. Doch daraus wird nichts – der Träger ist raus.
Nach TAG24-Informationen gibt es schon länger gravierende Meinungsverschiedenheiten zwischen "Don Bosco" und Schule. Doch keine der beiden Seiten wollte sich auf Anfrage dazu äußern.
SPD, Linke und Grüne wollen die Stelle jetzt an die Comenius-Grundschule verschieben. SPD-Stadtrat Maik Otto (48) sagt: "Wir wollten nicht, dass das Geld in den allgemeinen Haushalt zurückfließt." Die Comenius-Grundschule sei nach Bedarf und Priorität als nächste dran.
Trotz der allgemeinen Finanzmisere bleibt Otto optimistisch: "Das Ziel ist, dass am Ende irgendwann jede Schule einen Schulsozialarbeiter hat. Doch die nächsten zwei Jahre wird das schwer."
Zwar könnte man theoretisch anderswo in der Jugendhilfe kürzen, etwa bei Jugendclubs. Aber das sei für ihn "politisch keine Alternative".