Debatte um Pädokriminelle im Vereinssport: Das fordern Chemnitzer Politiker jetzt
Chemnitz - Der Chemnitzer Vereinssport braucht schärfere Regeln - das sagen die Linken im Stadtrat. Ihre Forderung: Trainer in Chemnitzer Sportvereinen müssen künftig ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Nur dann soll es städtische Fördermittel geben. Der Vorstoß kommt nächste Woche in den Stadtrat.
Vorausgegangen ist ein konkreter Fall: Bei den Sportfreunden Chemnitz-Süd arbeitete nach einem Bericht der "taz" ein Trainer mit Kindern, obwohl seine pädokriminelle Vergangenheit im Internet nachlesbar war.
Erst nach einer Presseanfrage trennte sich der Verein von dem vorbestraften Mann. Für die Linken zeigt der Fall eine gefährliche Kontrolllücke. "Die Sportvereine bemühen sich sehr, doch es geht um mehr Sicherheit für alle."
Unterstützung kommt von der Kinder- und Jugendbeauftragten der Stadt. "Der Schutz von Kindern und Jugendlichen im Sportbereich ist ein sehr wichtiges Thema, das ernst genommen werden muss“, betont Dina Norberger.
Sportvereine seien zentrale Orte der Freizeitgestaltung und trügen eine besondere Verantwortung. Und weiter: "Bei ehrenamtlicher Tätigkeit ist das erweiterte Führungszeugnis gebührenfrei."
Bürgermeisterin zurückhaltender
Deutlich zurückhaltender äußert sich Bürgermeisterin Dagmar Ruscheinsky (66, parteilos). Eine pauschale Pflicht sei rechtlich problematisch, da sie "einen erheblichen Eingriff in Persönlichkeitsrechte" darstelle.
Zudem gebe es bereits Regelungen für hauptamtlich im Kinder- und Jugendbereich tätige Personen, weshalb kein Änderungsbedarf bestehe.
Ein erweitertes Führungszeugnis enthält zusätzlich zum einfachen Führungszeugnis auch einschlägige Vorstrafen im Bereich Sexual- und Gewaltdelikte.
Titelfoto: Kristin Schmidt, picture alliance / M.i.S.
