Ist die Merz-Politik richtig? Diskussion bei Chemnitzer CDU-Politikern nach Bundesparteitag

Chemnitz - Der CDU-Bundesparteitag vergangene Woche in Stuttgart sorgt in Chemnitz noch immer für Diskussionsbedarf. Dem Signal der inneren Einheit stand Uneinigkeit über Inhalt und Tempo der Reformen gegenüber. In Chemnitz wird das zweitägige Treffen eher mit gemischten Gefühlen gesehen. Was bleibt - außer dem verhaltenen Handschlag zwischen Kanzler Friedrich Merz (70) und seiner Vorgängerin Angela Merkel (71)?

CDU-Parteichef und Bundeskanzler Friedrich Merz (70) ist an der Basis nicht unumstritten.  © imago/Chris Emil Janßen

Michael Specht (40) vom Ortsverband Chemnitz-Ost bringt die Stimmung auf den Punkt: "Ein sehr geschlossenes Bild, dass die Partei auch sehr stark hinter unserem Bundeskanzler stand."

Für viele an der Basis war diese Geschlossenheit das zentrale Ergebnis. Doch schnell wird auch klar, wo der Schuh drückt: "Die Politik von Friedrich Merz trifft nicht überall an der Basis auf offene Ohren."

Besonders beim Thema Asyl hätten sich viele eine deutlichere Position gewünscht: "Eine konsequentere Asylpolitik - da hätte ich mir tatsächlich eine konsequentere Formulierung gewünscht."

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Auch der junge Chef vom Ortsverband Schloss-Mitte, Joel Hochmutz (23), bleibt kritisch: "Die Wiederwahl von Friedrich Merz mit 91 Prozent ist ein deutliches Zeichen für den Zusammenhalt. Doch was bei ihm fehlt, ist die interne Kommunikation in der Partei: Wo wollen wir hin?"

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Joel Hochmuth (23) vom Ortsverband Schloss-Mitte ist auch Chef der Jungen Union in Chemnitz.  © Ralph Kunz

Chemnitzer CDU-Bundestagsabgeordnete Seitz fordert: Mehr Planungssicherheit für Unternehmen und Beschäftigte

CDU-Bundestagsabgeordnete Nora Seitz (41) war als Gast auf dem Parteitag in Stuttgart.  © Kristin Schmidt

Für viele Christdemokraten in Chemnitz trennt sich hier Bewertung von Parteichef-Image und Kanzler-Politik: stark innerhalb der Partei, aber zu wenig konkret gegenüber den Menschen vor Ort.

Die Chemnitzer Bundestagsabgeordnete Nora Seitz (41) bringt diese Erwartung noch einmal auf den Punkt: "Unsere Betriebe, das Handwerk und die vielen kleinen und mittleren Unternehmen ächzen unter immer mehr Auflagen. Deshalb war meine Erwartung, dass wir ein starkes Signal für Entlastung und Wettbewerbsfähigkeit senden."

Sie begrüßt zwar das starke Votum für Merz, mahnt aber an: "Wir brauchen deutliche Fortschritte, damit Unternehmen und Beschäftigte mehr Planungssicherheit erhalten."

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