Chemnitz - Im Chemnitzer Rathaus glänzt seit über 120 Jahren ein ganz besonderes Schmuckstück: die Chemnitzer Amtskette. Sie ist kein "Klunker" für die Schublade, sondern ein schweres Symbol mit Geschichte, Patina und kleinen Anekdoten.
Heute trägt sie OB Sven Schulze (54, SPD) - und der gibt offen zu: "Also ich kann das relativ frei entscheiden. Je offizieller, desto mehr." Ein festes Protokoll? Gibt es nicht. "Im Grundsatz gibt es nicht wirklich eine Richtlinie, es ist eine Gefühlsfrage."
Besonders würdig wird es beim Eintrag ins Goldene Buch: "In der Regel immer", sagt Schulze.
Gefertigt wurde die Amtskette 1903, entworfen von Stadtbaurat Richard Möbius (1859–1945) und gefertigt beim Chemnitzer Juwelier Bormann. Bezahlt hat sie ein Bürger, der anonym bleiben wollte - 1500 Mark, damals ein Vermögen.
Die Kette selbst hat Gewicht, nicht nur symbolisch. Sie besteht aus 33 Gliedern, aus Silber mit Goldauflage, bunt emailliert in sächsischen Grün-Weiß-Tönen und Chemnitzer Gelb-Blau, dazu Löwenköpfe, Landeswappen und der lateinische Satz "Providentiae Memor" (Im Gedenken an die göttliche Vorsehung).
Das große Schlussstück zeigt, wofür Chemnitz steht: Amboss für Metall, Spindel für Textil, darunter das Stadtwappen.
Oberbürgermeister Sven Schulze gesteht: "Im letzten Jahr hatte ich sie vergessen"
Seit 1903 hängt sie bei besonderen Anlässen um den Hals des amtierenden OB. Der erste war Heinrich Beck (1854–1933).
Es kann auch schon mal was schiefgehen, gibt OB Sven Schulze zu: "Im letzten Jahr zum Neujahrsempfang hatte ich sie vergessen. Und dann stand ich auf der Bühne, da konnten wir es nicht mehr rückgängig machen."
Anlegen geht übrigens nicht so ohne Weiteres. Schulze: "Ich verbeuge mich, dann wird sie angehangen, und dann darf der ein oder andere aus meinem Protokoll mal an mir rumzupfen."
Er könnte es selbst machen, sagt er, "aber ohne Spiegel ist das schwierig". Und wie schwer ist sie eigentlich? "Ganz schön schwer." Er nehme dafür sogar Nackenschmerzen in Kauf. Sicher verwahrt wird die Amtskette im Rathaus. Mehr verrät die Stadt aus Sicherheitsgründen nicht.