Chemnitz - Braucht Chemnitz wirklich den umstrittenen Innovationscampus Rabenstein-Ost? Neue Zahlen aus dem Rathaus liefern frisches Futter für die Debatte. Nach einer BSW-Anfrage hat Bürgermeister Thomas Kütter (49, parteilos) offengelegt, wie groß der Druck bei Gewerbeflächen ist.
Demnach gab es 2025 knapp 100 Anfragen für Gewerbe- und Industrieflächen, nur acht wurden tatsächlich realisiert. Knapp 40 Vorgänge endeten "ohne erfolgreichen Abschluss".
In etwa einem Viertel der Fälle sei Chemnitz "strukturell nicht lieferfähig" gewesen, rechnet Kütter vor.
Allerdings lag nicht jede gescheiterte Anfrage allein an fehlenden Flächen. Investoren zogen Vorhaben zurück, Unternehmen stellten Projekte zurück, oft kamen mehrere Gründe zusammen. Eine isolierte Zuordnung greife "in der Praxis oft zu kurz", räumt der Bürgermeister ein.
Dass der Platz knapp werden kann, zeigt die Liste trotzdem: Der Gewerbepark Südring oder der Smart Systems Campus sind voll.
Anderswo gibt es zwar noch Flächen, aber oft mit Haken: Am Lehngut in Euba sind fast sechs Hektar frei, aber "nicht erschlossen".
Das Thema Gewerbegebiete sei komplex
Der Technologie-Campus Süd ist als Wasserstoff-Campus/Sondergebiet ausgewiesen. Zu den 29 laufenden Verfahren schreibt Kütter: "Für die aktuell aktiven Anfragen stehen potenziell passende Flächen zur Verfügung." Dieser Status könne sich aber "jederzeit ändern".
BSW-Stadtrat Dietmar Holz (65) bleibt skeptisch. Das Thema Gewerbegebiete sei komplex. Ob 25 Prozent nicht verfügbarer Flächen genug seien, um Rabenstein-Ost voranzutreiben, sei "schwierig zu beantworten".