Viel mehr Anträge, aber weniger Personal: Chemnitzer Rathaus überfordert

Chemnitz - Allein im Jahr 2025 gingen im Chemnitzer Rathaus fast 15.300 Wohngeldanträge ein – deutlich mehr als noch ein Jahr zuvor. Mehr als 14.000 davon wurden bewilligt. "Die aktuelle Bearbeitungszeit zum 31. Januar 2026 beträgt 105 Tage", muss Sozialbürgermeisterin Dagmar Ruscheinsky (66, parteilos) einräumen. 2024 seien es im Durchschnitt noch 66 Tage gewesen.

Sozialbürgermeisterin Dagmar Ruscheinsky (66, parteilos) hat viel zu wenig Personal in der Wohngeldstelle.  © Uwe Meinhold

Die Linken im Stadtrat hatten die Bilanz bei der Stadtspitze angefordert. Fraktions-Chefin Susanne Schaper (47, Linke) fordert eine Kurskorrektur: "Die Verwaltung muss gegensteuern. Mit mehr Personal und mehr Digitalisierung im Prozess. Hier darf nicht an der falschen Stelle gespart werden, weil es für die Betroffenen massive Auswirkungen hat."

Und Schaper wird noch deutlicher: "Dreieinhalb Monate Wartezeit, bis man erfährt, ob man Wohngeld bekommt oder nicht, ist zu lang. Denn in dreieinhalb Monaten kann schon eine Kündigung im Raum stehen."

Tatsächlich: 19 Vollzeitstellen gab es den Zahlen zufolge 2025 in der Wohngeldstelle, 2024 gab es noch 23. Besonders brisant: Im vergangenen Jahr war das Wohngeld reformiert worden. Der Bund hatte Haushalte mit niedrigen Einkommen angesichts steigender Mieten stärker entlastet.

Anzeige
Linken-Fraktions-Chefin Susanne Schaper (47) fordert eine Kurskorrektur in der städtischen Personalpolitik.  © Stefan Häßler
Seit der Reform 2025 haben deutlich mehr Haushalte Anspruch auf Wohngeld. (Symbolfoto)  © imago/suedraumfoto
In der Chemnitzer Wohngeldstelle türmen sich unbearbeitete Wohngeldanträge.  © Patrick Pleul/dpa

In Chemnitz zeigte sich der Effekt deutlich: Während 2024 noch rund 9600 Haushalte einen Antrag gestellt hatten, waren es 2025 bereits mehr als 15.000 (plus 58 Prozent).

Mehr zum Thema Chemnitz Politik: