Chemnitz - Immer weniger Kinder gehen in eine Chemnitzer Krippe. Doch woran liegt das eigentlich?
Genau das wollen die Stadträte Christin Furtenbacher (41, Grüne), Sandra Zabel (53, Linke) und Maik Otto (48, SPD) sowie Carsten Tanneberger, Regionalchef des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, jetzt wissen. Sie fordern eine anonyme Elternbefragung. Denn bislang kennt Chemnitz vor allem die Zahlen. Die Gründe dahinter aber nicht.
In der Kita-Bedarfsplanung ist der Rückgang längst sichtbar: Die Zahl der unter Dreijährigen sinkt von rund 5000 auf geschätzt 4800 bis 2027. Damit sollen die Krippen-Kapazitäten schrumpfen, von etwa 3200 Plätzen im Kita-Jahr 2025/26 auf gut 2600 Plätze 2027/28.
Doch es geht nicht nur um weniger Geburten. "Wir haben festgestellt, dass von den Kindern, die da sind, immer weniger anteilig in die Einrichtung kommen, vor allem in der Krippe", sagt Furtenbacher.
Der Vorstoß will klären lassen, ob Kosten, Bürokratie, Wege, Öffnungszeiten, fehlendes Vertrauen oder andere Betreuungsformen eine Rolle spielen.
Furtenbacher: "Sollte sich herausstellen, dass es tatsächlich Hürden gibt für Familien, Kita in Anspruch zu nehmen, dann sollte man dem nachgehen und diese möglichst beseitigen."
Betreuungsquote für Krippenkinder in Chemnitz bei 45 Prozent
Die Stadt verweist auf die Freiwilligkeit der Kita-Betreuung, "wobei jedoch ein gesetzlicher Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem 1. Lebensjahr besteht, der in Chemnitz erfüllt werden kann."
Die Betreuungsquote für Krippenkinder lag 2025 in Chemnitz bei 45 Prozent - unter dem sächsischen Durchschnitt (54 Prozent).
Warum die Hintergründe nicht längst untersucht werden, beantwortete die Stadt nicht. Furtenbacher bleibt diplomatisch: "Ich wünsche mir, dass sie es jetzt machen. Möglicherweise braucht es auch einfach den Impuls."
Diesen Impuls begrüßt auch Kinder- und Jugendbeauftragte Dina Norberger (39). Ein besseres Verständnis könne "wichtige Ansatzpunkte liefern, um bedarfsgerechte Angebote weiterzuentwickeln".
Die Befragung solle kurz, einfach und mehrsprachig sein. Furtenbacher sieht mögliche Hürden schon im Alltag: "Das fängt auch an, dass manchen Familien vielleicht alleine schon das VMS-Ticket fehlt, um zur Einrichtung zu kommen."