Autonomes Fahren: Hier proben Dresdner Forscher den Autoverkehr von morgen

Dresden - Stromtanken durchs Dach und aus der Erde, selbstfahrende Trucks, Autos im Dialog miteinander - was wie Science-Fiction klingt, ist am IVI-Institut in Dresden-Räcknitz Arbeitsalltag. Hier forschen Wissenschaftler tatsächlich auf dem oft beschworenen Weltniveau.

Assistent Reike Jungnick (47) am E-Lade-System, das aus der Erde fahren kann.
Assistent Reike Jungnick (47) am E-Lade-System, das aus der Erde fahren kann.  © Steffen Füssel

Die Zukunft beginnt in einer Sackgasse. Nur wenige Hundert Meter ab von der B 170 endet die Zeunerstraße an einem Wendehammer. Links und rechts Wohngebiet. 

Man muss schon genauer hinschauen, um am Wiesenhang das Institutsgebäude aus den 1950er-Jahren zu entdecken.

Dann aber eröffnen sich künftige Welten.

Zum Beispiel ein Versuchsgelände für Autonomes Fahren. Dort prüfen Matthias Klingner (66) und Reike Jungnick (47) gerade eine Metall-Klappe im Asphalt, darin verborgen ein Stummel.

Klingner ist Institutsleiter, Jungnick Technischer Angestellter, "unsere goldene Hand", wie der Professor anerkennend sagt. 

Der Stummel ist die neueste Erfindung, wie E-Autos kabellos geladen werden können. 

"Das Auto rollt von selbst millimetergenau über die Klappe. Dann fährt die Ladeeinheit aus dem Parkplatz und dockt unten an", so Klingner.

Erfindung: Bus mit Dachsteckdose

Ein Teststand des IVI-Instituts. Zu sehen sind Achsen eines Superbusses.
Ein Teststand des IVI-Instituts. Zu sehen sind Achsen eines Superbusses.  © Steffen Füssel

Wenige Meter entfernt steht ein Lkw. Der ist nicht nur batteriebetrieben, sondern kann auch ganz ohne Fahrer punktgenau an eine Rampe steuern. Eine Revolution für die Logistikbranche.

Nebenan die nächste Erfindung von Klingner und seinen rund 200 Kollegen: ein Bus mit Dach-Steckdose. 

Prof. Klingner: "Für eine Strecke bräuchten Strombusse tonnenschwere Batterien. Unsere Lösung ist ein Bügel, der an jeder Haltestelle von oben andockt und für die nächsten Kilometer lädt." 

Mit Bussen kennen sich Klingners Leute aus: Sie entwickelten bereits die AutoTram, die Straßenbahn ohne Schienen und parallel dazu den längsten Bus der Welt, der trotz 30 Meter Länge so enge Kurven wie ein normaler Bus fahren kann.

Besonders am Herzen liegt den Forschern des Fraunhofer-Instituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme, so das IVI korrekt, die effektive Verwertung von Verkehrsdaten.

Der Mix speist sich aus Daten, die Autos senden, und Kameras sowie Sensoren im Verkehrsraum. 

Ziel: Staus, Unfälle und in Mengen CO2-Ausstoß vermeiden

Professor Matthias Klingner (66, re.) zeigt dem Dresdner FDP-Bundestagsabgeordneten Torsten Herbst (46) das Institut.
Professor Matthias Klingner (66, re.) zeigt dem Dresdner FDP-Bundestagsabgeordneten Torsten Herbst (46) das Institut.  © Steffen Füssel
Der Bus der Zukunft: Geladen wird an den Haltestellen über einen Stecker auf dem Dach (siehe Kreis).
Der Bus der Zukunft: Geladen wird an den Haltestellen über einen Stecker auf dem Dach (siehe Kreis).  © Steffen Füssel

"Diese Datenfülle richtig verarbeitet können Staus, Unfälle und in Mengen CO2-Ausstoß vermieden werden", so Klingner und zeigt eine Tricksimulation: Ein Unfallauto auf der Autobahn funkt an hinter ihm fahrende Pkw, dass es plötzlich steht. Die Bordcomputer der Nachfolger errechnen blitzschnell untereinander, wie sie den autonom Crash umfahren.

Titelfoto: Steffen Füssel

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