"Verschwende nie eine Krise!" Brachial-Romantiker Dieter Beckert plant alte und neue Projekte

Dresden - Ein Pappmachékopf spielt zurzeit die Hauptrolle auf der Probebühne von Dieter Beckert (70) im Künstlerareal des Zentralwerks an der Riesaer Straße. Der Barde, Entertainer und "Brachialromantiker" bereitet gerade in seinem Studiotheater ein Puppentheaterstück mit dem Titel: "Kasper im Land der Musik" vor.

Hat in der Corona-Pause Zeit, alte Projekte zu vollenden: Tausendsassa Dieter Beckert (70) vor seinem Atelier im Zentralwerk.
Hat in der Corona-Pause Zeit, alte Projekte zu vollenden: Tausendsassa Dieter Beckert (70) vor seinem Atelier im Zentralwerk.  © Steffen Füssel

Unter dem Motto "Verschwende nie eine Krise!" nimmt er die Corona-Zeit mit Humor.

Zur Begrüßung hebt Beckert die "Ghettofaust mit Konfetti", bei der die Finger winken und zappeln. "Humor ist das Öl im Getriebe des Lebens", meint der "weisheitspralle" Philosoph, der immer einen Spruch parat hat. Er arbeite nach vorne, indem er neue Projekte vorbereite, und nach hinten, indem er alte Projekte seines Schaffens archiviere.

Jetzt hat er dafür Zeit und Muße.

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Das Puppenspiel ist eine lebenslange Liebe des früheren Försters Beckert. Von 1978 bis 1980 arbeitete der Musiker als Eleve am damaligen Staatlichen Puppentheater.

Für sein erstes Theaterstück "Kasper und die Farben" erhielt Beckert einen Preis, sein zweites Stück "Kasper im Land der Musik" blieb aus technischen Gründen unaufgeführt.

Puppen und Bühnenbild dafür gestaltete der in Berlin lebende Künstler Helge Leiberg aus dem Künstlerkreis um A.R. Penck. Viele Jahre standen Leibergs Puppen als Dekoration im Märchentheater Yenidze, nur den Kasper nahm Leiberg damals mit in den Westen. Jetzt brachte er ihn für die Neuinszenierung zurück "Es soll wiederaufleben als multimediales Theater passend zur Corona-Zeit", so Beckert.

Beckert will in der Inszenierung als Erzähler und Sänger am Tisch sitzen. Über ihm sollen Ausschnitte der Geschichte in Trickfilmbildern auf einer Leinwand gezeigt werden. Die Filme entstehen in Kooperation mit Anne Levin von "Pegasus-Filmproduktion".

Musikalische Selbsthilfegruppe "Kommune Woodstock" als zweites Standbein

Im Stück gibt es zwei Schauplätze: das Notenschlüssel-Schlösschen, das die Harmoniker bewohnen, und die Höhle vom Räuber "Tritonus", der die Prinzessin raubt. Der Tritonus - eine drei Ganztonschritte umspannende Halboktave - sei das spannendste musikalische Intervall, erklärt Beckert. Im Frühjahr will er, wenn es die Inzidenz-Werte erlauben, das multimediale Kaspertheater auf die Bühne bringen. Eine Spielstätte hat er noch nicht. "Das wird sich schon ergeben", ist er optimistisch.

Eigentlich wäre er längst pensioniert, doch ans Aufhören denkt Dieter Beckert noch lange nicht. Er will weiterhin mit Jürgen B. Wolff als Duo Sonnenschirm auftreten, ein viertes Buch mit brachialromantischen Texten stehe auch auf seiner Agenda.

Sein zweites Standbein, die musikalische Selbsthilfegruppe "Kommune Woodstock", trifft sich momentan coronabedingt nur im Internet. Beckert hofft, dass im Herbst auch die Dinner-Shows im Restauranttheater "Merlins Wunderland" weitergehen können, wo er auf die "Sternstunden der Menschheit" blickt, den Grafen Dracula jagt und in der "Wunderlandklinik" Humoralmedizin betreibt.

Titelfoto: Steffen Füssel

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