Chip-Gigant feiert seine neue Drachen-Tram: Doch eine Sache trübt die Stimmung
Dresden - ESMC hat jetzt eine eigene schicke Straßenbahn. Das Problem an der schönen neuen Tram: Sie fährt vorerst überall in Dresden, nur nicht dorthin, wo sie eigentlich dringend gebraucht wird – zur Fabrik des Chip-Giganten.
Am Dienstag fuhr der gold-schwarze Zug mit einem riesigen Drachen-Motiv erstmals durch die Stadt. Die auffällige Bahn ist eine rollende Werbefläche für den taiwanesischen Halbleiter-Hersteller, der sich im Dresdner Norden ansiedelt. Zur Einweihung fuhr "Tramfluencer" Maik Zeuge die Bahn.
Doch während ESMC mittlerweile eine eigene Bahn hat, mangelt es noch immer an einer Haltestelle vor den Toren der eigenen Fabrik.
Die Straßenbahnlinie 8 soll zwar über die Endhaltestelle Hellerau (Kiefernweg) hinaus verlängert werden, doch das Projekt zieht sich schon eine ganze Weile.
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Wie geht es mit der Linie 8 weiter?
Die favorisierte Variante sah eine Verlängerung der Gleise ab Hellerau über den Vorerlenweg und den südlichen Teil der Rähnitzer Allee bis zur Wilschdorfer Landstraße vor. Über die sollten die Bahnen direkt bis zum Werkstor von Global Foundries fahren. Doch weil mögliche Erweiterungsflächen von den Vibrationen der Straßenbahn betroffen sein könnten, äußerten die Chipunternehmen ihre Sorgen.
Die Planer mussten noch mal ran und tüfteln jetzt an einer abgespeckten Variante. Die sieht zwar weiterhin die Verlängerung bis zur Wilschdorfer Landstraße vor. Statt bis zu Global Foundries sollen die Bahnen aber nur noch bis zur Einmündung der Knappsdorfer Straße fahren.
Anders als bei den bisher favorisierten Optionen steuern die Bahnen dabei keine der Chipfabriken mehr direkt an. Ursprünglich wurde als Fertigstellung mit 2028 gerechnet. Das Datum dürfte wohl mittlerweile kaum noch machbar sein. Die Vorplanung soll Ende 2026 abgeschlossen sein, anschließend entscheidet der Stadtrat über die Vorzugsvariante.
Und was sagt eigentlich der Chip-Riese zur aktuellen Situation und den Verzögerungen? ESMC-Chef Dr. Christian Koitzsch (50) erklärte, es sei nicht Aufgabe eines Unternehmens, die Infrastruktur der öffentlichen Hand zu übernehmen.
ESMC-Chef Koitzsch: "Deutschlands schönste Straßenbahn"
Trotz des Schienen-Dilemmas herrschte bei der Präsentation Feierstimmung. Koitzsch schwärmte: "Ich glaube schon, es ist Deutschlands schönste Straßenbahn." Seine Mitarbeiter entwarfen auch den Slogan "Join the dragon ride" (Schließe dich dem Drachenritt an).
Für das Unternehmen ist die Bahn ein wichtiges Werkzeug im Kampf um Fachkräfte. "Wir werden am Ende 2000 Arbeitsplätze schaffen und hoffen auch auf gute Bewerber, die vielleicht aufmerksam werden durch die Bahn", erklärte Koitzsch die Entscheidung für die Partnerschaft mit den DVB.
Auch der Bau der eigentlichen Fabrik ist ein Zehn-Milliarden-Euro-Medaillon mit straffem Zeitplan. Das Hallendach ist fast fertig. "Ich bin richtig zufrieden mit dem Fortschritt. Mitte nächstes Jahr ziehen die ersten Mitarbeiter ins Büro", erklärte der ESMC-Chef im Gespräch mit TAG24. Ende nächsten Jahres soll dann die erste Maschine in den Reinraum einziehen.
Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (54, FDP) freute sich ebenfalls, blickte aber vor allem auf die Zukunft: "Die Straßenbahn verbindet miteinander und wird Sichtbarkeit und Stärke erzeugen. Wir freuen uns auf den neuen Partner und ein gutes Miteinander, auch für die neuen Bürger."
Titelfoto: Bildmontage: Petra Hornig
