Geiselnahme in Dresden gestoppt: 40-Jähriger sorgt an drei Tatorten für Angst und Schrecken

Dresden - Am dritten Adventswochenende war an Besinnlichkeit in Dresden nicht mehr zu denken: Gleich an drei Tatorten sorgte David W. (†40) für Angst und Schrecken. Tatverdächtig seine Mutter Kerstin W. (†62) getötet zu haben, starb er als Geiselnehmer beim Zugriff. Die Stadt liegt in Schockstarre.

David W. (†40) tötete erst seine Mutter in Prohlis, fuhr dann zum Ammonhof und schließlich in die Altmarkt-Galerie.
David W. (†40) tötete erst seine Mutter in Prohlis, fuhr dann zum Ammonhof und schließlich in die Altmarkt-Galerie.  © privat

Gegen 7.20 Uhr fanden Einsatzkräfte Kerstin W. tot in ihrer Dachgeschosswohnung in der Finsterwalder Straße vor. Die Polizei ging von einem Tötungsdelikt aus. Sofort führte die Spur zum eigenen Sohn.

Der Heidenauer David W., zuvor sehr engagiert für den Tierschutz, war da bereits flüchtig. Kreuzte zunächst beim Radiosender "Radio Dresden" auf.

"Wir haben die Information, dass dort Schüsse abgegeben worden sind", sagt Polizeisprecher Thomas Geithner (47). "Es gab dort keine Verletzten oder Toten."

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Offenbar hat eine Brandschutztür David W. aufhalten können. "Ich bin unendlich froh, dass niemand aus meinem Team verletzt wurde", so Senderchef Tino Utassy.

"Es hat sich gezeigt, dass unsere Investitionen in die Sicherheit des Senders richtig waren."

Die Polizei geht davon aus, dass der Schütze gezielt den Kontakt zu den Medien gesucht hat, vermutet hinter der gesamten Sache eine psychische Erkrankung.

Dresden: 40-Jähriger verschanzte sich im DM in der Altmarkt-Galerie

Die Geiselnahme in der Altmarkt-Galerie konnte durch das SEK beendet werden.
Die Geiselnahme in der Altmarkt-Galerie konnte durch das SEK beendet werden.  © Steffen Füssel

Doch kurz nach halb zehn ging der Wahnsinnstag weiter: Mitarbeiter und Passanten sahen, wie David W. plötzlich im "DM" in der Altmarkt-Galerie auftauchte, zu drohen anfing, schließlich verschanzte er sich mit einer 38-jährigen Angestellten und einem neun Jahre alten Kind in den Kellerräumen.

Die Polizei begann mit der Räumung des Einkaufscenters und des Striezelmarkts.

Bahnlinien fuhren nicht mehr, die Stadtverwaltung stellte die Turnhalle in der Chemnitzer Straße als Notunterkunft zur Verfügung. Spezialkräfte und die Verhandlungsgruppe rücken an. Man hielt zunächst telefonisch Kontakt zu dem Täter, doch es misslang, David W. zur Aufgabe zu bewegen.

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"Er war psychisch sehr auffällig", so Polizeisprecher Geithner. Dann erfolgte gegen halb eins der Zugriff: Augenscheinlich unverletzt konnten Frau und Kind befreit werden.

Wurde er zunächst schwer verletzt, abtransportiert, verstarb er kurz darauf: "Im Rahmen des Zugriffs und der Befreiung der Geiseln erlitt der 40-Jährige tödliche Verletzungen", so Polizeisprecher Stefan Grohme (42).

Motive des Mannes weiterhin unklar

Der Täter wurde auch bei Radio Dresden auffällig, zum Glück wurde dort niemand verletzt.
Der Täter wurde auch bei Radio Dresden auffällig, zum Glück wurde dort niemand verletzt.  © Steffen Füssel

"Die konkreten Umstände sind Gegenstände der weiteren Ermittlungen."

Am Nachmittag konnte der Striezelmarkt wieder eröffnen, die Galerie blieb geschlossen. Von Besinnlichkeit konnte aber keine Rede mehr sein:

"In meinen Gedanken bin ich bei den Opfern dieses Tages und hoffe, dass sie diese schrecklichen Erlebnisse, auch gemeinsam mit Ihren Mitmenschen, besprechen und verarbeiten können", twitterte Ministerpräsident Michael Kretschmer (47, CDU).

Innenminister Armin Schuster (61, CDU): "Ich bin entsetzt über die Tat eines vermutlich psychisch verwirrten Einzeltäters und erleichtert darüber, dass die Polizei die beiden in der Gewalt des Täters befindlichen Personen angesichts der schwierigen Lage befreien konnten."

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (51, FDP) brach seinen Wochenendurlaub in Thüringen ab und traf sich mit der Polizei: "Diese Tat zeigt, wie zerbrechlich die vorweihnachtliche Besinnlichkeit und Unbeschwertheit sein kann", so das Stadtoberhaupt. "Meine Gedanken sind bei allen, die in Altmarktgalerie und Ammonhof in Gefahr waren.

Die Ermittlungen zur Herkunft der Waffe, zu eventuellen Bekanntschaften zu den Opfern und zur Motivlage dauern an." Insgesamt waren etwa 300 Polizeibeamte im Einsatz.

Zuletzt aktualisiert: 18.56 Uhr

Titelfoto: Bildmontage: Steffen Füssel, privat

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