Damals todschick, heute befremdlich: DDR plante Platten am Blauen Wunder

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Dresden - Augenreiben beim Museumsbesuch: In der aktuellen Ausstellung "Platte Ost/West" im Dresdner Stadtmuseum ist ein Gips-Modell aus dem Jahr 1965 ausgestellt, das die radikalen Umbaupläne der DDR-Leitung in Loschwitz und Blasewitz am "Blauen Wunder" zeigt. Was einst als Fortschritt galt, wirkt heute wie ein Schreckensbild aus einer längst vergangenen Zeit.

Aus der Perspektive eines Denkmalpflegers übt Sachsens Landeskonservator Alf Furkert (60) Kritik am Gipsmodell.
Aus der Perspektive eines Denkmalpflegers übt Sachsens Landeskonservator Alf Furkert (60) Kritik am Gipsmodell.  © Holm Helis

Der historische Schillerplatz, die Villa Marie, der Körnerplatz: alles planiert. Stattdessen Wohnkomplexe und mehrspurige Verkehrsachsen bis ans Elbufer. Eine zweite Brücke am "Blauen Wunder" für den motorisierten Verkehr.

Aus denkmalpflegerischer Perspektive "eine befremdliche Herangehensweise", konstatiert Alf Furkert (60): "Über den reichen Bestand an historischen Gebäuden", seien es die der ehemaligen Fischerdörfer, die gründerzeitliche Überformung oder die Vorstadtvillen, "wird radikal hinweggeplant", interpretiert Sachsens Landeskonservator das Gipsmodell.

Gleichzeitig betont Furkert, dass sich die Planungen in die "vom Zeitgeist der Moderne geprägte Stadtentwicklung" einreihen.

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Dazu gehört etwa, dass die Wohnung im Zentrum aller städtebaulichen Bestrebungen stehen soll und dem Autoverkehr eine Schlüsselfunktion zukommt.

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Blasewitz und Loschwitz gelten heute als eines der größten zusammenhängenden historischen Villengebiete Deutschlands. Die DDR-Leitung wollte alles planieren.
Blasewitz und Loschwitz gelten heute als eines der größten zusammenhängenden historischen Villengebiete Deutschlands. Die DDR-Leitung wollte alles planieren.  © Stefan Häßler
Mit den DDR-Plänen von 1965 wäre der heute denkmalgeschützte Körnerplatz planiert worden.
Mit den DDR-Plänen von 1965 wäre der heute denkmalgeschützte Körnerplatz planiert worden.  © Stefan Häßler

Modell zeigt Aufbruchsstimmung der 60er- und 70er-Jahre

Claudia Quiring (54) ist Kustodin für Kultur- und Alltagsgeschichte im Dresdner Stadtmuseum.
Claudia Quiring (54) ist Kustodin für Kultur- und Alltagsgeschichte im Dresdner Stadtmuseum.  © ronaldbonss.com

Claudia Quiring (54) sieht mit dem Modell "eine Art Gegenkonzept zum heutigen gewünschten Lebensraum".

Gleichzeitig unterstreicht die wissenschaftliche Chefin im Stadtmuseum, dass sich mit dem Modell die Aufbruchstimmung der 60er- und 70er-Jahre in der DDR zeige: "Damals hatten die Stadtplaner Fortschrittseuphorie vor allem für Infrastrukturen im Blut, wollten Großprojekte für die Stadt und den Stadtverkehr realisieren", betont Quiring.

Warum das Konzept nie umgesetzt wurde, ist heute nicht mehr bekannt. Es könnte aber am mangelnden Geld oder am geänderten Zeitgeist gelegen haben.

Von 1967 bis 1972 war dieses Gispmodell Teil der öffentlichen Ausstellung "Unsere sozialistische Großstadt", mit der die DDR-Leitung den Bürgern ihre Baupläne rund ums Blaue Wunder vorstellte.
Von 1967 bis 1972 war dieses Gispmodell Teil der öffentlichen Ausstellung "Unsere sozialistische Großstadt", mit der die DDR-Leitung den Bürgern ihre Baupläne rund ums Blaue Wunder vorstellte.  © Holm Helis
Auch das traditionsreiche Gasthaus "Villa Marie" wäre längst abgerissen, hätten die sozialistischen Stadtplaner ihr Modell umgesetzt.
Auch das traditionsreiche Gasthaus "Villa Marie" wäre längst abgerissen, hätten die sozialistischen Stadtplaner ihr Modell umgesetzt.  © Stefan Häßler

Noch bis zum 29. November kann man sich selbst ein Bild vom Modell und der Ausstellung "Platte Ost/West" im Stadtmuseum machen. Infos: www.stmd.de

Titelfoto: Bildmontage: Stefan Häßler / ronaldbonss.com

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