Dresden ist Fahrrad-Unfall-Hauptstadt: Das muss sich jetzt endlich ändern!

Dresden - In Dresden radelt es sich besonders gefährlich: Die Landeshauptstadt ist im Bundesvergleich Spitzenreiter bei schweren Fahrradunfällen. Der ADFC appelliert an die Stadtverwaltung, endlich mehr Maßnahmen konsequent umzusetzen.

Der Ecke Sachsenallee/Ecke Roßbachstraße (Sachsenplatz) steht auf der Top-Liste der bundesweiten Schwerpunkte.
Der Ecke Sachsenallee/Ecke Roßbachstraße (Sachsenplatz) steht auf der Top-Liste der bundesweiten Schwerpunkte.  © Ove Landgraf

Das Ergebnis einer Analyse des Fahrradclubs anhand von Daten des Unfallatlas der statistischen Ämter von Bund und Ländern (2019 bis 2021) ist ernüchternd: 537 Radunfälle mit Schwerverletzten und sieben Toten verzeichnete Dresden.

Auf Platz zwei der Vergleichsstädte (450.000 bis 650.000 Einwohner) folgt Bremen mit großem Abstand mit 349 Unfällen.

Den ersten Platz belegt Dresden auch bei der Berechnung auf 100.000 Einwohner mit 97 Unfällen. Auf Platz zwei mit "nur" 72 folgt Köln.

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Noch schlimmer: Unter Deutschlands elf Top-Radler-Unfallstellen nimmt Dresden gleich zwei Plätze ein: die Abbiegung Sachsenallee/Roßbachstraße (Platz zehn) und die Abbiegung Waldschlösschenbrücke/Fetscherstraße zum Terrassenufer (Platz 11). An beiden Stellen passierten in drei Jahren 20 Unfälle.

Zu schmale oder plötzlich endende Radwege, zu breite Fahrspuren und große Abbiegeradien für Autos, kaum Tempo 30 über längere Strecken: Das sind nur einige Gründe für die hohen Unfallzahlen, die ADFC-Geschäftsführer Edwin Seifert (50) aufzählt.

Bekommt Dresden mehr Blitzer und breitere Radwege?

ADFC-Geschäftsführer Edwin Seifert (50), Rolf Leonhardt (58), Mitglied in der AG Verkehr des ADFC und Vorstandsmitglied Nils Larsen (39, v.l.).
ADFC-Geschäftsführer Edwin Seifert (50), Rolf Leonhardt (58), Mitglied in der AG Verkehr des ADFC und Vorstandsmitglied Nils Larsen (39, v.l.).  © Steffen Füssel

Dazu kommt: "Die Unfallkommission arbeitet mangelhaft." Der Vorwurf: Unfallhäufungsstellen (mehr als fünf Unfälle in 3 Jahren, rund 300 Stück) werden nicht - wie gesetzlich verankert - innerhalb eines Jahres behoben.

Der ADFC fordert jetzt beispielsweise mehr stationäre Blitzer, breitere Radwege ohne Lücken, Beseitigung von Unfallschwerpunkten auch mit Schnellmaßnahmen, radfahrerfreundlichere Ampelschaltungen.

"Es ist an Herrn Kühn, mehr auf die Straße zu bringen, auch Provisorisches", so Seifert. Er lobte gleichzeitig den guten Willen von Baubürgermeister Stephan Kühn (43, Grüne), der zum Abschluss der Kontrollaktion "Respekt durch Rücksicht" gesagt hatte:

Ein weißes Ghostbike erinnert seither an den tödlichen Unfall.
Ein weißes Ghostbike erinnert seither an den tödlichen Unfall.  © Holm Helis

"Die meisten Verstöße gab es dort, wo Radfahrer keine geeigneten oder umwegfreien Radverkehrsanlagen vorfinden. Diese Voraussetzungen zu schaffen, ist unser Ziel." Einen Schlüssel dafür - so gab er zu - sind mehr sichere Radverkehrslagen entlang der Straßen.

Titelfoto: Holm Helis

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