Hygiene-Museum zeigt Sonderschau "Wie geht's?" zu mentaler Gesundheit

Dresden - Volkskrankheit Psyche: Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leben weltweit eine Milliarde Menschen mit psychischen Problemen. In Deutschland erkrankt etwa jeder vierte Erwachsene im Laufe des Lebens. "Mental Health" ist also ein Mega-Thema, das aber schwer zu visualisieren ist. Dem Hygiene-Museum aber glückt das, in der neuen Sonderausstellung "Wie geht's?", die am Freitag eröffnet.

Ein gigantisches (Himmel-)Bett mit flauschigen Kissen und Multimedia-Angeboten ist Zentrum der Schau "Wie geht's?". Mina (27) hat es sich darin schon mal gemütlich gemacht.
Ein gigantisches (Himmel-)Bett mit flauschigen Kissen und Multimedia-Angeboten ist Zentrum der Schau "Wie geht's?". Mina (27) hat es sich darin schon mal gemütlich gemacht.  © Eric Münch

"'Wie geht's dir?' - normalerweise ist diese lapidare Frage nie ganz ernst gemeint", sagt Iris Edenheiser, Direktorin des Hygiene-Museums. Mit der gleichnamigen Ausstellung wolle man dem Begriff von mentaler Gesundheit ein ernsthaftes Gesicht geben.

"Das Thema betrifft uns alle, es ist von großer gesellschaftlicher Relevanz"; es rühre auch von prekärer Arbeit, Armut, Einsamkeit, der Digitalisierung des Alltags.

Das unterstreicht die Psychologin Susanne Knappe, wissenschaftliche Beraterin der Ausstellung: "Etwa 80 Prozent aller Menschen haben im Laufe ihres Lebens mit psychischen Erkrankungen zu tun. Aber nur die allerwenigsten suchen sich Hilfe."

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Rund die Hälfte davon würde schon im Kindesalter erkranken. Die Folgekosten seien immens: "Rund drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts gehen für psychische Erkrankungen drauf, und dabei sind Behandlungskosten noch nicht einmal mit eingerechnet."

Kuratiert wurde die Schau von Rebekka Rinner und Clarissa Lütz. Partizipative Angebote spielten eine große Rolle, die Ausstellung schwanke zwischen den Gefühlswelten "Auf" und "Ab", zwischen Individuum und Gesellschaft. Zudem solle es eine alltagsnahe, unterhaltsame Ausstellung sein, orientiert an der Lebensrealität junger Menschen.

Schau läuft bis 4. April 2027

Diese typografische Buchstaben-Installation der Künstlerin Leigh de Vries soll von den Besuchern mit Botschaften auf Post-Its beklebt werden.
Diese typografische Buchstaben-Installation der Künstlerin Leigh de Vries soll von den Besuchern mit Botschaften auf Post-Its beklebt werden.  © Eric Münch

Vier Themenräume geben Antwortversuche auf die zentrale Frage "Wie geht's?": Kapitel 1 heißt "Ich fühle was, was du nicht siehst". Mit künstlerischen Stationen, schiefen Wänden und unebenem Boden soll deutlich werden, was es bedeutet, die innere Balance zu verlieren.

Raum zwei ("Danke der Nachfrage") beschäftigt sich am Beispiel von Diagnosen, was eigentlich Krankheit, was Gesundheit ist. Die Problematik der NS-Eugenik etwa bleibt dabei nicht ausgespart, zudem sich das Hygiene-Museum seinerzeit an deren Propaganda beteiligte.

Raum 3 heißt "Mal so, mal so". Es geht um Prävention und individuelle Strategien, mit Erkrankungen umzugehen. Etwa in einem großen Bett - sowohl Ruheraum, aber auch Ort des Nicht-mehr-Könnens - oder in einem Telefonsalon, über den man Hilfe findet. Ganz am Ende steht der Raum "Wie geht es dir wirklich?", in dem die Besucher ins Gespräch kommen sollen.

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Dominant ist zwischen vielen Sitzkissen die Buchstaben-Installation "It's Ok To Feel Things" der Künstlerin Leigh de Vries, die - kuratorisch erhofft - von vielen Botschaften der Besucher mit Post-its beklebt und so bunt überwuchert werden soll.

Die Schau läuft bis 4. April 2027, das umfangreiche Begleitprogramm steht unter: dhmd.de/wiegehts.

Titelfoto: Eric Münch

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