"Marinka: Die Reise nach Dazwischen" verzaubert am tjg.
Dresden - Ein zwölfjähriges Mädchen hat tagtäglich mit dem Tod zu tun, und wünscht sich doch eigentlich nur Freunde. Das Theater Junge Generation (tjg.) hat das Kinderbuch "Marinka: Die Reise nach Dazwischen" der britischen Autorin Sophie Anderson - seit 2018 in 25 Sprachen übersetzt - als deutsche Erstaufführung auf die Bühne gebracht.
In der Fassung von Regisseurin Katharina Birch wird der schwere Stoff ganz federleicht zum bonbonbunten Hingucker.
Sophie Anderson hat in ihrem Buch die osteuropäische Folklore-Figur der Baba Jaga neu interpretiert. Hier ist die Sagengestalt keine Hexe, sondern eine Wächterin, die die Seelen Verstorbener sicher ins Jenseits geleitet. Das gelingt mittels eines wandelnden Hauses, das die Pforte zum Sternenhimmel beherbergt.
In diesem Haus lebt Marinka (intensiv und berührend: Ronja Roth) mit ihrer Großmutter Baba (Babette Kuschel), und muss jeden Abend einen Zaun aus Knochen und Totenschädeln darum errichten.
Weit entfernen darf sie sich nicht, hat nur einen krächzenden Raben als Begleiter (herrlich komisch: Simon Käser). Ihr kommt es wie ein Gefängnis vor. Erst nach und nach lernt Marinka, mit dem Unausweichlichen umzugehen - dem Tod und ihrer besonderen Beziehung zu ihm.
Der Clou der Inszenierung ist dem Künstlerinnen-Duo Georg & Paul gelungen, die aus mehr als hundert bunter Luftballons dieses bewegliche Haus entworfen haben, von Stefan Kuk auf Hühnerbeinen und mit raunenden Geräuschen sensibel geführt.
"Marinka: Die Reise nach Dazwischen" richtet sich an Kinder ab acht Jahren
Man mag kaum wegsehen von diesem verblüffenden Dauerwirbel, über den Marinka am Ende hinwegfliegen wird. Dafür hat Philipp Kukulies, Gitarrist und Songwriter von Woods of Birnam, einen zauberhaften Soundtrack geschrieben - mal sphärisch, mal tanzbar.
Gut zwei Stunden dauert das fantasievolle Spiel über Leben, Tod und Abschiednehmen. Eine herausfordernde Länge für Kinder ab acht Jahren, die aber viel zum Sehen und Staunen geboten bekommen. Warmherzig, poetisch, gefühlvoll.
Nächste Vorstellungen: 24. und 25. März.
Titelfoto: Klaus Gigga
