Sommertheater: "Der tollste Tag oder Figaros Hochzeit" im Japanischen Palais – Lohnt sich das Stück?

Dresden - "Der tollste Tag oder Figaros Hochzeit" von Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais ist ein Komödienklassiker, der ein gewisses Maß an Unsterblichkeit besitzt, da er durch alle bekannten Herrschaftssysteme hindurch funktioniert. In der bitterlaunigen Bearbeitung von Peter Turrini ist das Stück diesjähriger Stoff des Sommertheaters des Staatsschauspiels im Innenhof des Japanischen Palais.

Der Graf intrigiert gegen sie: Figaro (Josephine Tancke, r.) und Susanne (Kriemhild Hamann) lesen einen bösen Brief.  © Sebastian Hoppe

Das Originalstück von Beaumarchais (1732–1799) entstand wenige Jahre vor der Französischen Revolution und bildet den zweiten Teil der "Figaro"-Trilogie zwischen "Der Barbier von Sevilla" und "Die schuldige Mutter"; Operngeschichte schrieben die Stücke bei Rossini, Mozart und Milhaud.

Figaro und Susanne heiraten, doch Graf Almaviva versucht, seine politische Macht auszunutzen, um Susanne für sich zu gewinnen. Es entspinnt sich ein rasantes Spiel aus Intrigen, Verkleidungen und Täuschungen, in dem die Dienenden den Herrschenden immer einen Schritt voraus sind. Turrinis Bearbeitung (von 1972) schärft Beaumarchais' Gesellschaftssatire deutlich nach.

Das Originalstück entstand zu einer Zeit, die von den Privilegien des Adels geprägt war, als die Darstellung kluger, selbstbewusster Dienender und eines lächerlich gemachten Adels provokant wirkte. Gerade diese Kritik an Macht und Standesunterschieden macht den Stoff bis heute aktuell.

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Turrinis Bearbeitung rückt Machtmissbrauch, sexuelle Übergriffigkeit und den Widerstand der Unterdrückten stärker in den Mittelpunkt. Am Ende ist das Stück weniger romantisches Lustspiel als bissige Revolte – ohne Happy End.

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Es liegt nicht am Ensemble

Das Ensemble war gut. Doch das reichte nicht.  © Sebastian Hoppe

Es inszeniert Hausregisseurin Lily Sykes, die 2024 Marivaux' "Das Spiel von Liebe und Zufall" im Japanischen Palais auf die Sommertheater-Bühne brachte. Stück und Inszenierung drehen sich um (patriarchale) Macht und ihren Missbrauch und kommentieren damit ein aktuelles Leitmotiv gesellschaftlichen Disputs. Die Rollenauffassung ist angemessen queer – Figaro ist eine Frau.

Lustspiel plus Livemusik, mit vielen Popsongs, die in die Geschichte eingewoben werden (musikalische Leitung: David Schwarz), nach diesem Prinzip funktioniert das Sommertheater seit der ersten Premiere 2023. Ein Theater, das für Schauspielerinnen und Schauspieler attraktiv ist, weil sie die Sau rauslassen können.

Besonders gilt das hier für Josephine Tancke als Figaro, die kurz vor der Premiere einsprang für Friederike Ott, die sich bei einer Voraufführung verletzt hatte. Insgesamt geben Tancke, Kriemhild Hamann (Susanne), Oliver Simon (Graf), Katja Gaudard (Gräfin), Fanny Staffa (Bazilla), Holger Hübner (Marcellus), Nahuel Häfliger (Bartholo) und Jonas Holupirek (Cherubin u. a.) ein prima Ensemble ab.

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Dennoch: Ob es Abnutzungserscheinungen des immer gleichen Inszenierungs-Prinzips sein mögen oder die teils erzwungen wirkende, nicht immer übersichtliche Story – es liegt nicht am Ensemble, dass Dialoge und Gags, trotz guter Ideen wie einem Bällebad als Spielfläche (in dem man auch ertrinken kann), nicht immer zu zünden wissen.

Gegenüber den vorangehenden Produktionen des Sommertheaters fällt diese Produktion zurück.

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