Von Daniel Josling
Dresden/Leipzig - Der Countdown läuft: Bis Ende 2026 ist die Finanzierung der Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden gesichert, danach beginnt ein neues Kapitel - mit offenem Ausgang. Denn ab 2027 will sich Sachsen-Anhalt nicht mehr an den Subventionen für die Verluste des Dresdner Flughafens beteiligen. Was technisch klingt, ist politisch und wirtschaftlich brisant. Die Entscheidung berührt die Grundfrage, welche Rolle die beiden Flughäfen künftig spielen sollen - und wer bereit ist, dafür zu zahlen.
Leipzig/Halle und Dresden erfüllen heute sehr unterschiedliche Funktionen. Während Leipzig/Halle sein Profil als Fracht-Drehkreuz mit zusätzlichem Urlaubsverkehr schärft, wird der Dresdner Flughafen vor allem als Standort für Geschäfts- und Industrieanbindung gesehen.
"Leipzig und Dresden werden sicher keine Interkontinental-Drehkreuze mehr werden, wie einmal in den 90er Jahren erhofft", sagt der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Dresden (IHK), Lars Fiehler. Aber sie könnten solide Flughäfen sein.
Für Dresden verweist die IHK auf den Bedarf der Industrie. Investitionen in der Halbleiterbranche schafften Nachfrage nach stabilen Verbindungen zu internationalen Drehkreuzen wie Frankfurt, München oder Amsterdam. Auch für die Elbe Flugzeugwerke sei der Standort unverzichtbar.
Der Flughafen sei daher "mehr als ein reiner Verkehrsknotenpunkt - er ist ein strategischer Standortfaktor für wirtschaftliche Entwicklung, internationale Anbindung, Fachkräftesicherung und Investorenattraktivität", so Fiehler.
Gleichzeitig steht der Betreiber, die Mitteldeutsche Flughafen AG (MFAG), wirtschaftlich unter Druck. 2024 verzeichnete der Konzern mit 53,5 Millionen Euro den höchsten Verlust seiner Geschichte.
Die MFAG setzt auf strikten Sanierungs- und Konsolidierungskurs
Eine akute Finanzkrise konnte nur durch neue Bankkredite und zusätzliche Zuschüsse der Gesellschafter abgewendet werden. Eine Finanzierungslücke von rund 145 Millionen Euro wurde geschlossen, der Betrieb ist damit bis Ende 2026 abgesichert.
Die MFAG setzt nun auf einen strikten Sanierungs- und Konsolidierungskurs. Bis 2026 soll erstmals ein operativ positives Ergebnis erreicht werden. Geplant sind unter anderem Kostensenkungen, Stellenabbau und eine stärkere Konzentration auf Kernaufgaben.
Aus Sicht der IHK ist der Übergang in die Gewinnzone bis 2026 bei unveränderten Kapazitäten und Flugangeboten "sehr ambitioniert".
Ab 2027 droht vor allem für Dresden neue Unsicherheit. Hintergrund ist die Eigentümerstruktur der MFAG. Haupteigentümer sind der Freistaat Sachsen mit rund 77,3 Prozent der Anteile und das Land Sachsen-Anhalt mit rund 18,5 Prozent. Weitere Anteile halten die Städte Leipzig, Dresden und Halle.
Sachsen-Anhalt hält an seiner Linie fest, sich künftig nicht mehr an staatlichen Subventionen für den Flughafen Dresden zu beteiligen. Zur Begründung verweist das Finanzministerium in Magdeburg auf unterschiedliche Landesinteressen.
Sachsen hält am Flughafen Dresden fest
"Während der Freistaat Sachsen ein unmittelbares Landesinteresse an beiden Flughafenstandorten hat, besteht seitens des Landes Sachsen-Anhalt ein unmittelbares regionalwirtschaftliches Interesse schon aufgrund seiner Nähe zur Landesgrenze nur an dem Standort Leipzig/Halle", heißt es aus dem Ministerium. Eine weitere Finanzierung des Dresdner Flughafens schließt das Land ausdrücklich aus.
Sachsen betont seine Verantwortung für beide Standorte. "Die Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden sind weiterhin wichtige Bestandteile der öffentlichen Infrastruktur - mit hoher Bedeutung für Wirtschaft, Versorgung und regionale Entwicklung", sagt Finanzminister Christian Piwarz (50, CDU). Ziel bleibe, beide Standorte langfristig wirtschaftlich zu stabilisieren und zukunftsfest aufzustellen.
Sollte Sachsen-Anhalt sich zurückziehen, signalisiert Sachsen Bereitschaft, den Flughafen Dresden weiter zu unterstützen.
Denkbar sei auch eine andere Form der Finanzierung, etwa die teilweise Erstattung von Aufwendungen aus nicht wirtschaftlicher Tätigkeit, etwa für Brandbekämpfung oder Sicherheit.