Neues Millionen-Minus bei den Dresdner Verkehrsbetrieben

Dresden - Das Finanzloch bei den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) wird größer und größer! Sorgte vor einem Jahr ein Gutachten für Aufsehen, das einen Anstieg des jährlichen Zuschussbedarfs bis 2025 auf 65 Millionen Euro prognostizierte, wird dieser Wert mittlerweile weit überschritten.

Weil die Verluste der DVB zu groß werden, muss wohl das Rathaus finanziell einspringen.
Weil die Verluste der DVB zu groß werden, muss wohl das Rathaus finanziell einspringen.  © Thomas Türpe

Wie am Montag hinter verschlossenen Türen informiert wurde, brauchen die DVB bereits in diesem und nächsten Jahr wohl jeweils eine kräftige Finanzspritze aus dem städtischen Haushalt.

DVB-Sprecherin Anja Ehrhardt bestätigte gegenüber TAG24, dass man in diesem Jahr mit einem Verlust von 76,6 Millionen Euro rechnet. Die Prognose für 2023 geht sogar von einem Minus von 94,3 Millionen Euro aus.

Die Gründe dafür sind wenig überraschend die Pandemie und der Ukraine-Krieg. Auch wenn die Fahrgastzahlen dank des 9-Euro-Tickets derzeit sogar leicht über denen vor Corona liegen, habe man durch die Pandemie hohe Einnahmeverluste, so Ehrhardt.

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Gleichzeitig gebe es einen "enormen Kostenanstieg" beispielsweise bei der Antriebsenergie für die Fahrzeuge, also Strom und Diesel-Kraftstoff. Der vom Stadtrat beschlossene Ausbau des Angebots, beispielsweise durch das neue Mobishuttle, trage ebenfalls zur Kostensteigerung bei.

DVB rechnen 2022 mit 76,6 Millionen Euro Verlust

Die DVB-Bosse Andreas Hemmersbach (l.) und Lars Seiffert müssen sich was einfallen lassen.
Die DVB-Bosse Andreas Hemmersbach (l.) und Lars Seiffert müssen sich was einfallen lassen.  © Holm Helis

Weil die so groß ausfällt, funktioniert das bislang bewährte System der Gegenfinanzierung über die Technischen Werke Dresden (TWD) - zu denen neben den DVB auch die SachsenEnergie gehört - nun allerdings nicht mehr.

Die TWD hatten bereits vor einiger Zeit erklärt, dass sie aus den Gewinnen der SachsenEnergie maximal 55 Millionen Euro zuschießen können. Damit bliebe für dieses und das nächste Jahr ein Loch von insgesamt 60,9 Millionen Euro.

Wie das gestopft werden soll, wird inzwischen diskutiert. "Wir sprechen jetzt über eine Position im städtischen Haushalt. Das war jahrelang nicht nötig", sagt Erhardt.

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Das Geld würde dann natürlich woanders fehlen. Im Rathaus sieht man deshalb Bund und Land in der Verantwortung, denn Kosten steigen nicht nur bei den DVB, sondern allen Verkehrsbetrieben in Deutschland.

"Die Politik muss eine Antwort finden und sich überlegen, wie wir den ÖPNV weiter attraktiv gestalten wollen. Die Kommunen alleine schaffen das nicht", sagt Stadtsprecher Kai Schulz.

Titelfoto: Thomas Türpe

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