Großer TÜV am Elbhang: Hier wird das Stahlseil der berühmten Schwebebahn erneuert

Dresden - Ausnahmezustand bei der Dresdner Schwebebahn. Bei der diesjährigen Frühjahrsrevision am weltweiten Unikat (250.000 Fahrgäste pro Jahr) hantieren die Fachkräfte der DVB mit Originalteilen, die schon seit der Eröffnung 1901 ihren Dienst verrichten. Neben Arbeiten für den alljährlichen TÜV wird auch ein Teil des Stahlseils erneuert.

Die denkmalgeschützte Schwebebahn befindet sich in der Bergstation in Oberloschwitz, wo sie drei Wochen lang gewartet wird.
Die denkmalgeschützte Schwebebahn befindet sich in der Bergstation in Oberloschwitz, wo sie drei Wochen lang gewartet wird.  © Eric Münch

Auf der Bergstation sind vier große originale Leiträder (wiegen je circa zwei Tonnen), die sich schon seit der ersten Fahrt vor 125 Jahren drehen. Deren Lager müssen auf Verschleiß und Restlaufzeit geprüft werden - eine Kontrolle, die nur alle paar Jahrzehnte fällig wird.

Auch Betriebsleiter Carsten Lauterbach (61), der seit 1990 bei den Bergbahnen arbeitet, hat sie noch nicht wechseln müssen.

Über die Leiträder verläuft das fast vier Zentimeter dicke Zugseil (rund 400 Meter lang). Das bewegt die beiden Wagen (Leergewicht je 14 Tonnen mit Halterung) im Pendelbetrieb: Wenn ein Wagen nach oben gezogen wird, fährt der andere gleichzeitig nach unten.

Laute Mucke in der Bahn? Ärgerlich, aber straffrei!
DVB - Dresdner Verkehrsbetriebe Laute Mucke in der Bahn? Ärgerlich, aber straffrei!

Die Wagen rollen dabei auf einer Schiene, die wiederum auf einem Traggerüst montiert ist, das vom Berg bis ins Tal reicht.

Bergbahnen-Betriebsleiter Carsten Lauterbach (61) prüft eines der Lager am Leitrad.
Bergbahnen-Betriebsleiter Carsten Lauterbach (61) prüft eines der Lager am Leitrad.  © Eric Münch
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Hier lösen Mitarbeiter auf dem Dach des Wagens das Zugseil. Für Sicherheit sorgen zwei Fangbremsen und ein Sicherungsseil.
Hier lösen Mitarbeiter auf dem Dach des Wagens das Zugseil. Für Sicherheit sorgen zwei Fangbremsen und ein Sicherungsseil.  © Eric Münch

Schwebebahn bis 13. März außer Betrieb

Originale von 1901: Über diese Leiträder verläuft das fast vier Zentimeter dicke Zugseil.
Originale von 1901: Über diese Leiträder verläuft das fast vier Zentimeter dicke Zugseil.  © Eric Münch

Das Zugseil besteht aus 216 Einzeldrähten. Damit die nicht brechen, wird das ganze Seil magnetinduktiv geprüft. "Damit nicht so ein Unglück geschieht wie mit der Carolabrücke", erklärt Lauterbach.

Da man jedoch nicht in die beiden Endstücke des Seils hineinschauen kann, werden sie jeweils 30 Zentimeter gekürzt und vor Ort neu mit Weißmetall vergossen.

Nur alle vier Jahre muss das gemacht werden - darauf konzentrieren sich die dreiwöchigen Arbeiten. Außerdem werden die 33 Stahlstützen, Fahrschienenträger, Elektrik und Fahrwerk geprüft. Am Ende rückt noch ein Spezial-TÜV aus Thüringen an.

Mit der Straßenbahn zum Opernball: Diese Linie wird am Freitagabend umgeleitet
DVB - Dresdner Verkehrsbetriebe Mit der Straßenbahn zum Opernball: Diese Linie wird am Freitagabend umgeleitet

Bis 13. März ist die Schwebebahn noch außer Betrieb. Anschließend wechseln die Techniker zur benachbarten Standseilbahn. Diese fährt ab wieder ab 28. März. Im Mai soll es eine Jubiläumsfeier geben.

Alle vier Jahre zur Sicherheit: Diese Endstücke des Zugseils werden erneuert.
Alle vier Jahre zur Sicherheit: Diese Endstücke des Zugseils werden erneuert.  © Eric Münch
Blick in den Maschinenraum mit Motor und Antriebsrädern.
Blick in den Maschinenraum mit Motor und Antriebsrädern.  © Eric Münch

Lange Geschichte der beiden Bahnen

Die Schwebebahn im Jahr 1935. In diesem Jahr wird 125-jähriges Jubiläum gefeiert.
Die Schwebebahn im Jahr 1935. In diesem Jahr wird 125-jähriges Jubiläum gefeiert.  © imago/Arkivi

Die Schwebebahn eröffnete am 6. Mai 1901, beförderte Fahrgäste vom Körnerplatz nach Oberloschwitz (274 Meter).

Schon sechs Jahre zuvor fuhr 1895 die benachbarte Standseilbahn vom Körnerplatz hoch zum Weißen Hirsch (547 Meter). Beide sind ganzjährig im Einsatz und gelten als äußerst sicher.

Für Aufsehen sorgte ein Unfall im Jahr 2014. Ein Möbelwagen hatte am Veilchenweg die Höhenbeschränkung von 2,60 Meter missachtet und den talwärts fahrenden Wagen gerammt. Die Feuerwehr musste 19 Fahrgäste per Leiter befreien, verletzt wurde niemand.

Kurios: Das war bereits 1932 so passiert - ebenfalls mit einem Möbelwagen.

Titelfoto: Bildmontage: Eric Münch (2)

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