Führerschein-Reform stößt bei Dresdner Fahrlehrern auf Skepsis

Dresden - Digitaler Theorieunterricht, mehr Fahrsimulation, weniger Kosten und kürzere Prüfungszeiten – Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (50, CDU) will den Weg zum Führerschein einfacher gestalten: "Mobilität darf kein Privileg sein", so Schnieder im Oktober. Doch wie sehen Dresdens Fahrschulen die geplanten Reformen?

Dustin Friedel (31) bringt als Fahrlehrer jungen Menschen den Schulterblick bei.  © Eric Münch

In Sachsen kostet ein Führerschein im Durchschnitt rund 3300 Euro. Eine Senkung sei grundsätzlich möglich - vorausgesetzt, Steuern und Abgaben wie Mehrwert- oder Einkommenssteuer würden kritisch geprüft, so Peter Losleben (64) vom Sächsischen Fahrlehrerverband. "Weitere Ansatzpunkte könnten in der schulischen Verkehrsausbildung liegen – langfristig teurer, aber pädagogisch sinnvoll."

Vorschläge wie den digitalen Theorieunterricht sehen Dresdner Fahrlehrer wie Andreas Martin (59) kritisch: "Dann würden die Schüler nicht mehr die Zusammenhänge im Auto verstehen, selbst ein Spurwechsel wäre problematisch."

Peter Losleben ergänzt, dass Online-Angebote gerade für lernschwächere Teilnehmer Hürden erhöhen könnten. "Eine Optimierung ist sinnvoll, muss jedoch behutsam erfolgen."

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Der Führerschein ist über die letzten Jahre immer teurer geworden.  © imago/Sven Simon

Reformankündigung sorgt im Westen für leere Fahrschulen

Einige Fahrschulen nutzen schon Simulatoren. Marvin Pietsch (29), Fahrlehrer in Ausbildung, sitzt schon mal Probe.  © Eric Münch

Dass die Praxis teuer ist, weiß Andreas Martin, aber: "Ohne richtige Theorie brauchen Schüler am Ende noch mehr Fahrstunden. Dann wird es erst recht nicht billiger."

"viva"-Fahrschul-Chef Ralf Böhm sieht es ähnlich: "Er bereitet auf die Praxis vor, nicht nur auf die Theorieprüfung." Den vermehrten Einsatz von Fahrsimulatoren begrüßt er jedoch: "Hier können die Schüler Motorik sicher erlernen."

Im Westen Deutschlands hat die Reformankündigung für leere Fahrschulen gesorgt, weil Schüler auf niedrigere Kosten warten. Anders sieht es in Dresden aus: "Das liegt am Wendeknick. Während im Westen ein Überangebot an Schulen besteht, haben wir hier weiterhin viel zu tun", so Andreas Martin.

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Losleben warnt abschließend: "Die Anforderungen im Straßenverkehr steigen kontinuierlich. Wer sie senken möchte, handelt aus unserer Sicht unverantwortlich."

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