Für 3 bis 4 Millionen Pfund: Hitlers Dresden-Canaletto wieder zu haben

Dresden - Diesen Canaletto wollte schon Adolf Hitler für sein Linzer "Führermuseum" haben. Das Öl-Gemälde "Zwingergraben in Dresden" (1758) des italienischen Malers Bernardo Bellotto (alias Canaletto) kommt im Auktionshaus Sotheby's in London Ende Juli unterm Hammer. Schätzprreis: 3 bis 4 Millionen Pfund (3,3 bis 4,5 Mio. Euro).

Diese Ansicht des Zwingergrabens (1758) von Canaletto kommt in London unter den Hammer.
Diese Ansicht des Zwingergrabens (1758) von Canaletto kommt in London unter den Hammer.  © Sotheby's

Bis August 2019 wurde das Nazi-Raub-Kunstwerk noch im Militärhistorischen Museum in Dresden gelagert.

Erst im Februar 2020 ging die Zwingeransicht (48,5 x 80 Zentimeter) zurück an die Erben des jüdischen Kaufhausmagnaten Max Emden (1874-1940).

"Die 'Beratende Kommission für die Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter, insbesondere aus jüdischem Besitz' hat am 24. April 2019 die Restitution des Gemäldes an die Erben nach Dr. Max James Emden empfohlen", so ein Sprecher der Kunstverwaltung des Bundes.

Der passionierte Kunstsammler Emden hatte das Gemälde 1933 erworben. Im Juni 1938, Emden weilte bereits als von den Nazis Verfolgter in der Schweiz, hatte er das Dresden-Bild notgedrungen an die Berliner Galerie Haberstock für 60.000 Schweizer Franken verkauft.

Die gab das Gemälde noch am selben Tag an Hitlers Reichskanzlei weiter. Das Gemälde war für das "Führermuseum" in Linz bestimmt - eine Herzensangelegenheit Hitlers. Während "das Reich" in Schutt und Asche zerfiel, sinnierte der "Führer" bis zum Schluss über Modellen des Museums - das am Ende doch nur Fantasie blieb.

"Es handelt sich bei der Zwinger-Ansicht tatsächlich um jene aus der Sammlung von Max Emden", bestätigte Andrew Fletcher von Sotheby's gestern TAG24. Das Motiv taucht nämlich nicht nur einmal auf: Bei dieser Ansicht handelt es sich um Canalettos "eigenhändige Wiederholung" (wie die Kunstverwaltung beim Bund angibt) der ersten Zwingergraben-Ansicht (133 x 235 Zentimeter) von 1751/52, die Teil der Sammlung der Alten Meister in Dresden ist.

Unverkennbar: Am Zwinger sieht's noch heute (fast) so aus wie zu Canalettos Zeiten.
Unverkennbar: Am Zwinger sieht's noch heute (fast) so aus wie zu Canalettos Zeiten.  © Norbert Neumann
Hier sollte auch sein Dresden-Cana- lotto rein: Bis zuletzt brütete Adolf Hitler (M.) über dem Modell für sein „Führermuseum“ in Linz.
Hier sollte auch sein Dresden-Cana- lotto rein: Bis zuletzt brütete Adolf Hitler (M.) über dem Modell für sein „Führermuseum“ in Linz.  © action press

Nach dem Krieg war das Werk aus Emdens Sammlung in Bundesbesitz gelangt. Ab 1961 schmückte der Canaletto dann den Bonner Amtssitz des Bundespräsidenten. Seit 2004 hatte der Enkel Emdens, Juan Carlos Emden aus Chile, um die Rückgabe des Gemäldes gekämpft. Als der damalige Bundespräsident Horst Köhler (77) von der Herkunft des Bildes erfuhr, ließ er es in der Villa Hammerschmidt 2005 abhängen, danach wurde der Canaletto in Dresden eingelagert.

Inzwischen ging das Bild endlich an Emdens Enkel zurück. Nun sucht Hitlers Dresden-Canaletto einen neuen Besitzer. Versteigerungstermin ist der 28. Juli. Wer mitbieten will: www.sothebys.com

Titelfoto: Foto/Repro: Sotheby’s, picture alliance/akg-images

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