Hier stirbt "Frau Schreiber" tausend Tode: Pflege-Studenten üben an Robotern

Dresden - "Frau Schreiber" liegt im Pflegebett, "Herr Schuster" wird im Rollstuhl über den Flur geschoben. Die betagten Senioren sind auf spezielle Hilfe angewiesen. Studenten kümmern sich um sie.

Pflegestudent Yannick Klaus (21) schiebt "Herrn Schuster" - der eigentlich eine technisch ausgefeilte Puppe ist - im Rollstuhl über den Gang des Simulationslabors.
Pflegestudent Yannick Klaus (21) schiebt "Herrn Schuster" - der eigentlich eine technisch ausgefeilte Puppe ist - im Rollstuhl über den Gang des Simulationslabors.  © Ove Landgraf

Die angehenden Pflegekräfte sollen so auf den Alltag in Kliniken und Pflegeheimen vorbereitet werden. Allerdings handelt es sich bei den Rentnern um keine echten Menschen.

Es sind fiktiven Personen nachempfundene Puppen mit Roboter-Eigenschaften.

Sie kommen im Simulationslabor der Evangelischen Hochschule im Rahmen eines international anerkannten Sieben-Semester-Pflegestudiums zum Einsatz.

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Dozent Thomas Fischer kann von einem mit Rechnern und Mikrofonen ausgestatteten Regieraum bestimmte Übungsszenarien im Labor steuern und überwachen.

Und sogar den menschenähnlichen Puppen eine Stimme geben.

Professor Thomas Fischer (47) ist einer von zehn Dozenten, der in den Laborräumen die Studenten auf den Klinik- und Pflegeheimalltag vorbereitet.
Professor Thomas Fischer (47) ist einer von zehn Dozenten, der in den Laborräumen die Studenten auf den Klinik- und Pflegeheimalltag vorbereitet.  © Ove Landgraf
Pflegestudentin Marie-Christin Petrasch (28) überwacht den Gesundheitszustand von "Frau Schreiber". Die Puppe im Bett kann auch Herzinfarkte erleiden.
Pflegestudentin Marie-Christin Petrasch (28) überwacht den Gesundheitszustand von "Frau Schreiber". Die Puppe im Bett kann auch Herzinfarkte erleiden.  © Steffen Füssel

Auf diese Weise lassen sich Notfallsituationen erzeugen, auf die die jungen Leute angemessen reagieren müssen. "So kann 'Frau Schreiber' beispielsweise einen Herzinfarkt erleiden", erklärt der Professor.

"Unsere Studierenden haben in dem Fall die Möglichkeit, zu einem Defibrillator zu greifen, um die Person wieder ins Leben zurückzuholen." Allerdings werden keine echten Schockwellen von dem Gerät ausgesandt.

Es sendet lediglich ein Signal an die Puppe aus, damit deren "Herz" wieder "hochfährt".

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So kann Frau Schreiber tausend Tode sterben - und doch weiterleben.

Auch das gehört zur Ausbildung: Studentin Lena Prinzler (21) gibt Nele Wagner (21, l.) eine Stillanleitung für erstgebärende Mütter.
Auch das gehört zur Ausbildung: Studentin Lena Prinzler (21) gibt Nele Wagner (21, l.) eine Stillanleitung für erstgebärende Mütter.  © Ove Landgraf
Das Herzstück des 729.000 Euro teuren Simulationslabors: Von hier aus lassen sich Pflegesituationen wie die auf einer Intensivstation steuern und überwachen.
Das Herzstück des 729.000 Euro teuren Simulationslabors: Von hier aus lassen sich Pflegesituationen wie die auf einer Intensivstation steuern und überwachen.  © Ove Landgraf

Die Simulatoren geben zudem direkte Rückmeldungen zu Puls, Atmung, Sauerstoffsättigung, EKG-Rhythmus.

Auch können sie über einen Katheter Wasser lassen. Der Preis dafür ist ein stolzer: Im Schnitt verfügen die Modelle über den Wert eines Kleinwagens.

Andere, weniger teure Pflegepuppen sind mit dieser Technik nicht ausgestattet. Diese dienen dazu, um beispielsweise das richtige Waschen, das Legen einer Magensonde oder das Anlegen von Wundverbänden einzustudieren.

Magdalena Küttner (21) am Lifter: In dem Labor lassen sich bestimmte Alltagsszenen in der Pflege nachstellen.
Magdalena Küttner (21) am Lifter: In dem Labor lassen sich bestimmte Alltagsszenen in der Pflege nachstellen.  © Ove Landgraf

Wer sich selbst einen Eindruck verschaffen möchte, kann dies am heutigen Freitag, ab 17.30 Uhr, an der Gerokstraße 20 (vierte Etage) im Zuge der "Langen Nacht der Wissenschaften" machen.

Titelfoto: Montage: Ove Landgraf, Steffen Füssel

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