Juwelenraub in Dresden: Gesuchter Remmo-Zwilling nach Einbruch ins Grüne Gewölbe gefasst

Dresden/Berlin - Eineinhalb Jahre nach dem Juwelendiebstahl aus dem Dresdner Grünen Gewölbe ist der gesuchte Remmo-Zwilling aus dem arabischstämmigen Berliner Clan-Milieu gefasst worden.

Abdul Majed Remmo (22) wurde jetzt in Berlin festgenommen.
Abdul Majed Remmo (22) wurde jetzt in Berlin festgenommen.  © Polizei Dresden

Der Tatverdächtige wurde am Montagabend im Zuge einer Durchsuchung in Berlin-Neukölln festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft Dresden am Dienstag mitteilte.

Nach Informationen der Polizei Dresden erfolgte die Festnahme von Abdul Majed Remmo (22) am Montagabend gegen 20.15 Uhr.

An der Aktion waren Zielfahnder des Bundeskriminalamtes in Zusammenarbeit mit Kräften des Landeskriminalamtes Berlin, der Berliner und der Dresdner Polizei sowie Spezialkräfte der Bundespolizei sowie des Mobilen Einsatzkommandos des Bundeskriminalamtes beteiligt.

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Im Rahmen der Durchsuchung wurden ein Mobiltelefon und Bekleidungsstücke sichergestellt.

Nach dem Beschuldigten wurde seit 17. November 2020 öffentlich gefahndet. Die Staatsanwaltschaft Dresden wirft Abdul Majed Remmo schweren Bandendiebstahl und Brandstiftung vor.

Abdul Majed Remmo, nach dem international gefahndet worden war, wurde bereits am Montag nach Dresden gebracht und soll am heutigen Dienstag dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden.

Weitere Festnahmen bereits im vergangenen Jahr

Sein Zwillingsbruder Mohamed (22) wurde bereits im Dezember 2020 aufgespürt.
Sein Zwillingsbruder Mohamed (22) wurde bereits im Dezember 2020 aufgespürt.  © Polizei Dresden

Bei Exekutivmaßnahmen der Staatsanwaltschaft Dresden und der Polizeidirektion Dresden wurden am 17. November vergangenen Jahres in Berlin bereits drei dringend Tatverdächtige festgenommen.

Ein vierter dringend Tatverdächtiger, der andere Remmo-Zwilling Mohamed, konnte am 14. Dezember 2020 in Berlin dingfest gemacht werden.

Mit der am Montag erfolgten Festnahme von Abdul Majed Remmo sind die Fahndungen nach allen fünf derzeit dringend Tatverdächtigen erfolgreich abgeschlossen.

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Seit März wird außerdem nach vier weiteren Männern gefahndet, die im Verdacht der Beihilfe bei dem spektakulären Coup in dem berühmten sächsischen Schatzkammermuseum am 25. November 2019 stehen.

Damals erbeuteten die Täter Schmuckstücke aus Diamanten und Brillanten des 17. und 18. Jahrhunderts von kaum schätzbarem Wert.

Die Identität der möglichen Komplizen ist derzeit noch unklar. Sie könnten Ende November 2019 den Tatort ausgespäht haben und damit an der Vorbereitung des Juwelenraubs beteiligt gewesen sein.

Die Ermittlungen – auch zum Verbleib der entwendeten Kunstschätze – dauern an. Sie werden laut Polizei Dresden aufgrund des Umfangs und der Komplexität des Sachverhalts noch erhebliche Zeit in Anspruch nehmen. Derzeit sei nicht absehbar, wann die Ermittlungen abgeschlossen sein werden.

Update, 18. Mai, 17.24 Uhr: Reaktion der SKD

Auch bei den Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) herrschte Freude über die Festnahme von Abdul Majed Remmo.

"Jetzt, wo alle Tatverdächtigen festgenommen sind, steigt auch unsere Hoffnung weiter, dass auch die gestohlenen Juwelen wiedergefunden werden und an ihren angestammten Ort im Grünen Gewölbe zurückkehren", sagt Generaldirektorin Marion Ackermann. Dort ist seit Wochen alles dafür bereit.

Die prächtigste Vitrine, aus der die kostbarsten Pretiosen gerissen wurden, ist repariert. Der Großteil der Diamant- und Brillantgarnituren, der den Dieben nicht in die Hände fiel, liegt wieder am angestammten Platz. Dort, wo sich fehlende oder zerstörte Stücke befanden, sind Lücken.

Update, 18. Mai, 17.19 Uhr: Keine Spur zur Beute

Die Ermittler der Soko "Epaulette" sind überzeugt, dass der Juwelendiebstahl auf das Konto des arabischstämmigen Remmo-Clans geht, dem alle Verhafteten angehören. Während sie nun hinter Gittern sind, fehlt von der Beute - rund ein Dutzend kunsthistorisch unschätzbar wertvolle Juwelen - weiter jede Spur.

Wie die Fahnder Abdul Majed Remmo letztlich auf die Spur kamen, ist nicht bekannt. Möglicherweise war es Zufall, sagt der Sprecher der Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP), Benjamin Jendro. "Es gab auch zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung." Da Fluchtgefahr bestand, habe die Polizei sicher eher schnell zugeschlagen. "Das war einer der vom BKA international meist gesuchten Straftäter."

Wie der 22-Jährige mehrfach entkommen konnte, wo er in der Zwischenzeit war und wie der Zugriff gelang, dazu sagt die Staatsanwaltschaft Dresden nichts. Nach Angaben von Thomas Spaniel von der Berliner GdP ist er nicht im Ausland untergetaucht. Die Festnahme in seinem direkten Umfeld zeige, "wie winzig sein Respekt vor den Sicherheitsbehörden ist". Es gelte nun, ihm "die Handlungsfähigkeit unseres Rechtsstaates in die Vita zu meißeln".

Am 25. November 2019 wurde am frühen Morgen in das Grüne Gewölbe eingebrochen. Dutzende Spuren wurden danach ausgewertet.
Am 25. November 2019 wurde am frühen Morgen in das Grüne Gewölbe eingebrochen. Dutzende Spuren wurden danach ausgewertet.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Update, 18. Mai, 15.04 Uhr: Ministerin Klepsch hofft auf Rückkehr der Beute

Die Remmo-Festnahme macht Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (55, CDU) Hoffnung auf die Rückkehr der wertvollen Beute.

Alle Hauptbeschuldigten seien in Haft "und ich bin zuversichtlich, dass der Verbleib der gestohlenen Juwelen aufgeklärt werden kann", sagte sie am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. "Wir hoffen, dass wir unsere Schätze wieder zurückerhalten werden."

Update, 18. Mai, 13.41 Uhr: Festnahme laut Innensenator Geisel klare Botschaft an Clankriminelle

Die Festnahme von Abdul Majed Remmo ist für Berlins Innensenator Andreas Geisel (55, SPD) auch eine "klare Botschaft an die Clankriminellen" in der Bundeshauptstadt.

"Der Rechtsstaat lässt sich nicht vorführen", sagte er laut Mitteilung vom Dienstag. "Wer glaubt, er könne ohne Folgen unsere Gesetze brechen, wird mit dieser Festnahme wieder mal eines Besseren belehrt." Zugleich dankte er den Einsatzkräften aus Sachsen, den Sicherheitsbehörden des Bundes und der Berliner Polizei. "Hier zeigt sich erneut die hervorragende Polizeiarbeit und unsere vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Polizeien der Länder und des Bundes."

Titelfoto: Montage: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa, Polizei Dresden

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