Käufliche Liebe: Casanovas gefährliche Liebschaften in Dresden

Dresden - Sex gegen Geld - Puffs und Huren gab's in Dresden schon immer. Die Liebesdamen der Stadt wurden in den letzten tausend Jahren von ihren Freiern begehrt und von der Obrigkeit zuweilen geächtet. Das "sündige" Gewerbe erregt bis heute die Gemüter, wenn auch meist hinter vorgehaltener Hand.

Im Hotel Stadt Rom vergnügte sich einst Casanova.
Im Hotel Stadt Rom vergnügte sich einst Casanova.  © Archiv

Der internationale "Welthurentag" (2. Juni) ist für TAG24 Anlass zu einer prickelnden Serie: In "Käufliche Liebe" nehmen wir Euch mit auf einen Streifzug durch die Lotterbetten und Liebes-Etablissements der Stadt - vom Mittelalter bis in die Gegenwart - und verraten Euch dabei manches pikante Geheimnis.

Heute: Wie sich Casanova in Dresden fast ins Verderben vögelte.

Auch in den Jahrhunderten nach der Reformation blühte die Prostitution in Dresden munter weiter. Galt die Polizeiverordnung der Stadt zwar als streng, scheint hinter den Kulissen das Geschäft mit der käuflichen Liebe floriert zu haben.

Einer, der das sehr ausführlich beschrieben hat, war der venezianische Schriftsteller und Frauenheld Giacomo Casanova (1725-1798). Sein Liebesleben in der Elbestadt hatte nicht nur einmal schwere Folgen für ihn.

Die Zeiten Augusts des Starken (1670-1733) mit seinen glamourösen Festen und amourösen Ausschweifungen waren vorbei. Sie hätten Casanova bestimmt gefallen.

Bei seinem ersten Dresden-Besuch 1752 war der liebeshungrige Italiener 27 Jahre alt. Zu der Zeit regierte der skandalfreie August III. (1696-1763), der Sohn des "Starken". Casanova fand dennoch, was er suchte. Mit seiner selbstsicheren Erscheinung machte er sofort Eindruck bei den Dresdnerinnen und diese offensichtlich auch auf ihn: "In den ersten drei Monaten war ich damit beschäftigt, alle käuflichen Schönheiten Dresdens kennen zu lernen", schreibt er in seinen Memoiren.

Casanova ist von den Damen begeistert. Er lobt, dass ihre Körper schöner sind, als die der Italienerinnen und Französinnen. Allerdings beschreibt er die Dresdnerinnen als "kühl", so dass es ihnen an Anmut mangelt, wie er beklagt.

Voller Einsatz in den Lotterbetten

An dieser Stelle stand das Hotel, das vielleicht wieder aufgebaut wird.
An dieser Stelle stand das Hotel, das vielleicht wieder aufgebaut wird.  © Eric Münch

Er hätte offenbar gern noch mehr Frauen kennengelernt. An "weiteren Ausschweifungen" hinderte ihn jedoch eine "Ansteckung", die er sich durch eine "schönen Ungarin" in einem Dresdner Bordell eingehandelt hatte.

Wahrscheinlich war es ein Tripper, der ihn bereits zum siebten Mal - wie er schreibt - erwischte.

Ein "Souvenir" - er nennt direkt einen Tripper – nahm Casanova bei einem Dresden-Besuch 1766 mit. Vermutlich holte er sich die Krankheit diesmal nicht im Puff, sondern im Hotel Stadt Rom, das bis 1945 auf dem Neumarkt stand. Dort hatte er sich mit einem Mädchen namens Maton (das er aus Warschau mitgebracht hatte) eingemietet.

Als die Geliebte gestand, krank zu sein, verließ Casanova sie, warf sie aus dem Hotel und brachte sie in einer billigen Pension unter. Sie soll den Tripper in Dresden noch fleißig weiter verteilt haben.

Die Beziehung Casanovas zu Dresden bestand durch seine Mutter, die als Hofschauspielerin schon 1738 nach Dresden gekommen war. "Zanetta" (1708-1776), wie sie genannt wurde, spielte meist die Rolle der ersten Liebhaberin auf der Bühne.

Zudem lebten Bruder Giovanni Battista (1730-1795) und Schwester Maria in Dresden. Sein Bruder wurde ab 1776 Direktor der Kunstakademie.

Casanova liebte die Dresdner Mädchen.
Casanova liebte die Dresdner Mädchen.  © Interfoto

Im Gegensatz zu seinem Bruder Giacomo lebte er sehr bürgerlich. Er war verheiratet und hatte Kinder. Zuletzt war er an der Lochgasse gemeldet, die aber damals kein Bordell mehr beherbergte.

Das Hotel Stadt Rom stand am Neumarkt 10, zwischen Moritzstraße und Kleiner Kirchgasse. Es wurde 1739/40 von Andreas Adam, einem Schüler von Matthäus Daniel Pöppelmann (Erbauer des Zwingers), entworfen.

Medaillon: Casanova kam öfters nach Dresden. Er hatte Familie hier.
Medaillon: Casanova kam öfters nach Dresden. Er hatte Familie hier.  © Archiv

Bei den Bombenangriffen 1945 zerstört, wurde die Ruine später abgerissen. Casanovas Liebesnest könnte eine Renaissance erfahren: Derzeit wird der Neubau des Hotel Stadt Rom diskutiert. Es würde versetzt wieder aufgebaut werden. Im Juni 2019 stimmten 57 Stadträte dafür.

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Titelfoto: Archiv, Eric Münch, Interfoto

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