Dresden - Rissige Mauern, umgekippte Grabmäler und provisorische Bauzäune verschandeln seit Jahren Dresdner Friedhöfe, wie etwa auf dem Neuen Annenfriedhof an der Kesselsdorfer Straße (Löbtau). Nun warnen dort rote Banner vor einem Friedhofssterben.
Friedhofsverwalterin Lara Schink (35) macht ein strukturelles Finanzproblem dafür verantwortlich. Sinkende Bestattungszahlen auf den evangelischen Friedhöfen treffen auf gleichbleibende Pflegekosten und steigenden Sanierungsbedarf.
Ausbaden müssen das vor allem Angehörige. "Wir mussten das zweite Jahr in Folge die Gebühren erhöhen. Jetzt sind es 300 bis 400 Euro mehr", so Schink. So kosten eine Urnenstelle nun 1715 Euro und ein Sarggrab 2630 Euro.
Viele weichen deshalb von kirchlichen auf kommunale Friedhöfe aus. Ein Teufelskreis: "Sie können günstiger sein, da dort mehr bestattet wird." Auch Wald- und Anonymbestattungen werden immer beliebter.
Die Zahlen sind eindeutig: Im Jahr 1875 noch für rund 40.000 Erdgrablager eingeweiht, sind es heute nur noch etwa 6000. Dennoch müssen Wege, Mauern und Denkmäler erhalten werden: "Wir sind am Limit", betont Verwalterin Schink.
Zahlreiche Skulpturen verfallen auf den Friedhöfen
Dabei wird auf dem Friedhof längst mehr als getrauert: Als grüne Oase mit altem Baumbestand gilt er als Rückzugsort und Treffpunkt im Stadtteil. Auch kulturell ist der denkmalgeschützte Friedhof wichtig: "Wir haben viele Skulpturen, wie die des verstorbenen Dresdner Bildhauers Robert Henze. Doch momentan verfallen sie einfach nur", bedauert Schink.
Trotz Grabpatenschaften, moderner Bestattungsmethoden oder Naturschutzmaßnahmen, die weniger Pflege bedeuten, reicht das Geld für den Erhalt des Neuen und Alten Annenfriedhofs auf der Chemnitzer Straße (Südvorstadt) nicht mehr.
Deshalb hat Schink eine Petition unter dem Motto "Mein Stadtteil – kein Friedhof?" gestartet. Gefordert wird eine dauerhafte finanzielle Unterstützung seitens der Stadt, die über projektbezogene Finanzierung hinausgeht.
Denn eigentlich setzt ein Konzept von 2018 Friedhöfe mit Parkanlagen gleich, doch Schink kritisiert: "Dieses Konzept ist bis heute nicht mit einer dauerhaft erhöhten Finanzierung verbunden."