Kleine sächsische Verlage auf der Leipziger Buchmesse: Glück und Wagnis des Büchermachens

Von Lilli Vostry

Dresden/Leipzig - Der Bücherfrühling beginnt mit vielen Neuerscheinungen, die zur Leipziger Buchmesse (vom 19. bis 22. März) ihren großen Auftritt haben. "Ingesamt 80 vorwiegend kleine Verlage gibt es derzeit in Sachsen, von denen 55 Mitglied im Börsenverein sind", sagt Heike Haupt, Geschäftsführerin im Börsenverein des Deutschen Buchhandels für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Zu DDR-Zeiten gab es im Land ingesamt rund 70 Verlage. Anfang der 1990er-Jahre waren es noch 31 Verlage in Ostdeutschland. Es gab erfreulich viele Verlagsgründungen, zumeist jedoch ohne finanzielle Reserven.

"Viele von ihnen brennen für das Metier und nehmen in Kauf, dass sie nicht reich damit werden", so Haupt. Diese Vielfalt sei wichtig für Meinungsfreiheit, die öffentliche Debatte "und dass man nicht verlernt, miteinander zu reden".

Über die Liebe zum Büchermachen erzählen drei Verleger aus Dresden und Radebeul.

Ultraviolett Verlag

Ultraviolett-Verlegerin Katja Völkel (46) hat sich's bequem gemacht.
Ultraviolett-Verlegerin Katja Völkel (46) hat sich's bequem gemacht.  © Petra Hornig
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"Lesen ist Abenteuer für den Geist und Urlaub für die Seele", so lautet das Motto des Ultraviolett Verlages, den es seit Frühjahr 2020 in Dresden gibt. Die Gründerinnen Jana Rogge und Katja Völkel haben sich seit 2014 bereits unter dem Imprint Eckhaus Verlag in Weimar vor allem den Themen Zeitgeschichte, Kulinarik und Wissenschaften verschrieben.

Mit dem Ultraviolett Verlag hat sich das Spektrum mit Büchern über Menschen und Tiere, Kinderbücher bis zum Politthriller erweitert.

"Wir schauen unter die Oberfläche. Die Leserschaft ist bunt gemischt. Die Bücher unserer weiblichen Autorinnen gehen tatsächlich am besten", sagt Verlagsinhaberin Katja Völkel (46). Sie stammt aus Rostock, hat Spanisch, Germanistik und Literaturwissenschaften an der TU Dresden studiert und arbeitet seitdem als Verlegerin, Lektorin und Autorin von Koch- und Reisebüchern.

Wohnung und Verlagsbüro befinden sich in einem Hinterhaus in der Fritz-Reuter-Straße 6. Das Buch "Das Haus der Goldmanns" von Claudia Kaufmann, ein Generationen-Roman über drei Frauen, verkauft sich derzeit am besten, so Völkel.

Um Lebensgeschichten und Traumata aus dem Krieg geht es im Buch "Der Geschmack von schwarzer Erde" von Inga Gaile, Erstübersetzung eines Bestsellers aus Lettland.

"Verlegen kommt von Vorlegen", sagt sie: "Es wartet niemand auf ein Buch." Bis zu 80.000 Bücher erscheinen jährlich in Deutschland. Katja Völkel gibt vier bis sechs Bücher pro Jahr heraus. In Leipzig ist sie mit ihren Büchern am Stand der "Buch Berlin"-Messe dabei (Halle 4/B 405).

Verlag Text & Dialog

"Text & Dialog": Rene Kaufmann (54) in seinem Verlag in Pieschen.
"Text & Dialog": Rene Kaufmann (54) in seinem Verlag in Pieschen.  © Petra Hornig

"Jedes Buch ist wie eine Visitenkarte, wodurch andere Autoren und Leser aufmerksam werden", sagt René Kaufmann (54). Seit 15 Jahren hat der gebürtige Meißner seinen Verlag Text & Dialog auf der Konkordienstraße 40 in Dresden-Pieschen.

Gestartet ist er als religionsphilosophischer Verlag von und für Akademiker, vorher forschte er auf diesem Gebiet als Assistent an der TU Dresden.

"Der philosophisch aufkärerische und reflexive 'rote Faden' ist weiterhin vorhanden. Neu hinzugekommen sind Bücher über Kunst, Belletristik, Gedichtbände bis zu Kinderbüchern", so Kaufmann. "Wir machen kleine Auflagen zwischen 150 und 1000 Exempare, die Herstellung und Druckkkosten refinanzieren sich durch den Verkauf."

Unterstützen könne man kleine, unabhängige Verlage durch den Direktbezug bei ihnen und Buchhandlungen vor Ort. "Man muss an sich glauben, etwas wagen und manchmal wird man dafür belohnt", sagt Kaufmann: "Immer in Bewegung bleiben. Mit den Autoren in Kontakt sein. Das füllt aus. Man gibt jeden Tag sein Möglichstes."

Von der Sehnsucht nach Begegnung handelt z.B. der Erzählband "Wo Du (nicht) sprichst" von Alexandra Grüttner-Wilke, dem er "viele Leser wünscht." Humorvoll und fantasiereich geht es zu im Kinderbuch "Der kleine Isso vom Planeten Normal" von Benjamin Knull, das ein wenig an den "Kleinen Prinzen" erinnert.

Notschriften Verlag

Notschriften-Verleger Jens Kuhbandner (57) inmitten seiner Bücher.
Notschriften-Verleger Jens Kuhbandner (57) inmitten seiner Bücher.  © Petra Hornig

Bereits seit 30 Jahren hat Jens Kuhbandner (57) seinen Verlag. Seit sieben Jahren bietet er vor allem Regionalliteratur, besondere Reiseberichte, Bildbände bis zu Lyrik im eigenen Verlagsbuchladen in der Bahnhofsstraße 19 in Radebeul-West an.

Neben den Vorbereitungen zur Leipziger Buchmesse (sein Buchstand ist in Halle 2/F 106) steht er derzeit mittendrin im Umzug. Er zieht mit seinem Verlagsladen bis Ende März in ein Geschäft in bester Lage direkt am Dorfanger, Altkötzschenbroda 22.

Rund zehn Bücher pro Jahr bringt er im Notschriften Verlag heraus. Der historische Roman "Haltepunkt Kötzschenbroda" von Anja Hellfritzsch sei schon ein "Verlags-Bestseller".

Neu erschienen sind der Fotografieband "Die Augustusbrücke – Das wahre Wunder von Dresden" von Thomas Richter, das Buch "Kohle – Vom Verschwinden der Landschaft" von Jörg Kuhbandner und der Erzählband "Hamids Träume" von Claudia Lux.

Am meisten zu kämpfen habe er mit steigenden Druck- und Energiekosten. Mut und Zuversicht geben ihm die Beschäftigung mit Kunst und positive Gedanken. "Ich denke, dass ein Buch lesen nach der ganzen digitalen Schwemme wieder cool wird bei jungen Leuten", beobachtet er.

Titelfoto: Montage: Petra Hornig

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