Ab in den Großen Garten: Neues Zuhause für lädierte Skulpturen

Dresden - Versteckt hinter einer Hecke steht im Großen Garten eine neu errichtete Halle. Hinter der Fensterfront lagern bis zu 130 Skulpturen und weitere Objekte, die wegen ihres Zustands nicht in der barocken Parkanlage aufgestellt werden können.

Die fragile Skulptur "Die Zeit raubt die Schönheit" musste bei einem Gewicht von zwei Tonnen per Kran ins Depot gebracht werden.  © Thomas Türpe

Fast 300 Jahre trotzte "Die Zeit raubt die Schönheit" (1722) im Dresdner Stadtpark Wind, Wetter und Kriegen. Nun aber hängt die vom italienischen Bildhauer Pietro Balestra (1672-1729) geschaffene Marmorskulptur wortwörtlich in den Seilen.

Ihre Sicherung ist notwendig, weil die Plastik durch Witterungseinflüsse so fragil geworden ist, dass sie den Park nicht mehr ohne weitere Schäden verlassen kann.

"Das Depot dient ihr nun als letzte Ruhestätte", sagt Kai-Uwe Beger (53), Sachgebietsleiter für Kulturbau beim Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagment (SIB).

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Für 2,2 Millionen Euro ließ der Freistaat die Betonhalle mit Faltdach auf dem Gelände der Gartenmeisterei errichten.

Moderne Haustechnik sorgt für eine schonende Umgebung: Temperaturen zwischen 5 und 35 Grad Celsius sowie eine Luftfeuchtigkeit von 40 bis 65 Prozent.

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Durch jahrelange Witterungseinwirkung ist der Marmor stark gealtert.  © Thomas Türpe
SIB-Sachgebietsleiter Kai-Uwe Beger (53) steht zwischen Figuren, die mitunter auch aus dem Dresdner Zwinger stammen.  © Thomas Türpe
Seit August 2025 ist die Halle fertig - zuvor waren die Skulpturen und Fragmente in Außenlagern untergestellt.  © Thomas Türpe
Die Halle von innen: Sachsenkönig August der Starke machte mit etwa 220 gesammelten Marmorwerken den Großen Garten zu einem der bedeutendsten Skulpturenensembles nördlich der Alpen.  © Thomas Türpe

Sachsen verfolgt systematische Restaurierung der Werke

Auch die Gipsversion von Herkules und seinem Telephosknaben ist zwischen Werken zu finden.  © Thomas Türpe

Neben Skulpturen und Fragmenten lagern auf 280 Quadratmetern auch Vasen und Gipsabgüsse. Letztere sind wichtig für zeitgenössische Bildhauer, um mehrere Hundert Jahre alte Plastiken detailgetreu restaurieren und mit Marmor nachbilden zu können.

"Herkules mit Telephosknaben" (Original von 1726, Kopie von 2022) steht normalerweise am Eingang zum Palais, ist derzeit aber für eine Ausstellung an die Gemäldegalerie Alte Meister ausgeliehen. Im Depot ruht derweil die Gipsversion des Helden aus der griechischen Mythologie.

Seit 2017 verfolgt der Freistaat über ein Sonderprogramm (3,9 Millionen Euro) die systematische Restaurierung der Werke und suchte dafür eine ortsnahe Lagermöglichkeit.

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"Skulpturen werden erst wahrgenommen, wenn sie fehlen", erklärt Beger ihre Bedeutung für den Park. Perspektivisch soll die Halle auch für geführte Besuchergruppen geöffnet werden.

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