Banner-Kunst-Aktion 2024: Künstlerisches Erinnern für die Zukunft

Dresden - Wenn sich am 13. Februar die Zerstörung Dresdens zum 79. Mal jährt, bleiben auch die Kulturinstitutionen der Stadt nicht still.

Vertreter aus Politik und Kultur mit beteiligten Künstlern (jeweils auch -innen) auf der Prager Straße am Werk "Morgen und der Tag danach" von Nazanin Zandi - für sie ein Bild der Hoffnung.
Vertreter aus Politik und Kultur mit beteiligten Künstlern (jeweils auch -innen) auf der Prager Straße am Werk "Morgen und der Tag danach" von Nazanin Zandi - für sie ein Bild der Hoffnung.  © Eric Münch

Bis zum 18. Februar lenkt das 2014 gegründete Bündnis "#WOD - Weltoffenes Dresden" mit in diesem Jahr 18 beteiligten Kulturinstitutionen in einer gemeinsamen Kunst-Banner-Aktion im Stadtraum den Blick aufs Erinnern und regt Fragen an die Zukunft an.

Das diesjährige Motto: "Morgen und der Tag danach".

Wie in den Vorjahren sind Dresdens kulturelle Einrichtungen - von Leuchttürmen wie der Semperoper, über Hellerau, dem Theaterkahn, tjg., den Landesbühnen Sachsen und den Musikfestspielen Dresden, Hygiene-Museum mit SLUB bis zum Kulturforum Riesa efau und dem erstmals beteiligten Kunstverein Dresden dabei.

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Sie haben Künstler mit überwiegend regionalem Bezug aufgerufen, mit teils extra entworfenen Beiträgen Impulse zum Erinnern zu geben und Fragen an Gegenwart und Zukunft aufzuwerfen.

Es gelte, Gesicht zu zeigen und wachzurütteln, so Sachsens Kulturstaatsministerin Barbara Klepsch (58, CDU) bei der Präsentation. Sie sagt: "Bei manchen Bildern sind wir oft sprachlos, aber wir müssen doch den Mund aufmachen." Es sei nicht hinzunehmen, dass Geschichte revidiert werde und Jüdinnnen und Juden wieder Angst haben müssen.

Staatsschauspiel und Kunsthaus Dresden sind federführend für die #WOD-Aktion

Das Banner-Motiv der Staatsoperette auf dem Schlossplatz.
Das Banner-Motiv der Staatsoperette auf dem Schlossplatz.  © Eric Münch

"Die Arbeiten sollen zeigen, was wir mit Blick auf die Vergangenheit aus der Geschichte für die Zukunft lernen können", sagte Joachim Klement (62), Intendant des Staatsschauspiels, zusammen mit dem Kunsthaus Dresden federführend für die #WOD-Aktion.

Kunsthaus-Leiterin Christiane Mennicke-Schwarz (54) ergänzt: "Mit den Bannern im öffentlichen Raum hoffen wir, die Menschen auf der Straße, in ihrem Alltag, abzuholen."

An neun Stationen im Stadtraum, von der Prager Straße über Neumarkt und Schlossplatz sind die 18 großformatigen Werke weit sichtbar installiert. Der Bezugspunkt des 13. Februars ist dabei meist nur Hintergrundrauschen, die Vielfalt der künstlerischen Positionen dagegen breit.

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Am konkretesten ist wohl die Arbeit "14. Feb. 1945" am Neustädter Bahnhof, die Gerhard Richter auf Einladung der Staatlichen Kunstsammlungen als Motiv freigab. Es zeigt eine 2002 digital bearbeitete Luftaufnahme des bombardierten Köln.

Kunstwerke sollen Vielfalt, Offenheit und Hoffnung ausstrahlen

Von Ferne anders als ganz nah: "Deephole" lädt ein, durch Gucklöcher mit anderen Augen auf die Gegenwart zu blicken.
Von Ferne anders als ganz nah: "Deephole" lädt ein, durch Gucklöcher mit anderen Augen auf die Gegenwart zu blicken.  © Eric Münch

Abstrakt hingegen "Deephole" von Anne Peschken und Marek Pisarsky für das Societaetstheater am Jorge-Comondai-Platz: Im von weitem knallbunten Feuerwerk eröffnen sich ganz nah Gucklöcher, durch die man auf Astronauten oder zerstörte Häuser in Gaza blickt.

Die Staatsoperette zeigt auf dem Schlossplatz das Foto "Ruby und Charlie" von Esra Rotthoff zur Liedzeile "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'n", die der homosexuelle jüdische Texter Bruno Balz im KZ unter Todesangst schreiben musste.

Der bearbeitete Orient-Teppich der Mixed-Media-Arbeit "Morgana" von Clemens Tremmel am Neustädter Bahnhof ist entstanden für die Semperoper, inspiriert vom Bühnenbild für die morgige Uraufführung der Oper "Die Jüdin von Toledo". Zu entdecken gibt es viel, Denkanstöße noch mehr.

Was alle Werke eint: Vielfalt, Offenheit und die Bedeutung von Hoffnung, aber auch Verantwortung für die Zukunft.

Titelfoto: Eric Münch

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