Besonderer Blick auf die Geschichte: Buchpremiere mit Bestsellerautor Florian Illies im Schauspielhaus
Dresden - Der Autor Florian Illies (55) hat ein besonderes Talent: Er kann vergangene Zeiten so erzählen, als wären sie gerade erst geschehen. In seinem neuen Buch "Träume aus Feuer" widmet er sich Johannes Kunckel, einem Alchemisten und Glasmacher des 17. Jahrhunderts – und macht aus einer Geschichte über Öfen, Labore und Fürstenhöfe ein Buch über Ehrgeiz, Erfindungen und den Preis des Erfolgs.
Kunckel (1635–1703) hatte einen Traum: Er wollte Gold herstellen. Im Auftrag mächtiger Auftraggeber suchte er nach dem Geheimnis der Alchemie – und scheiterte. Doch aus dem Irrweg mit dem Gold entstand Außergewöhnliches: ein rubinrotes Glas, das zu einer technischen Sensation wurde. Illies erzählt diese Wendung als Geschichte über menschlichen Erfindergeist – da entsteht das Entscheidende dort, wo ein Plan nicht aufgeht.
Kunckels Weg führte ihn nicht nur nach Brandenburg, an den Hof des Großen Kurfürsten Friedrich-Wilhelm, und auf die Pfaueninsel, den Landschaftspark an der Havel, bei Wannsee, wo das Buch hauptsächlich spielt, sondern – in knapper Erwähnung – auch nach Sachsen: Für einige Zeit stand Kunckel im Dienst von Kurfürst Johann Georg II. (1613–1680) und arbeitete schon dort an alchemistischen Experimenten.
Die sächsische Episode war ein kurzer Abschnitt seiner Karriere, zeigt aber, wie begehrt sein Wissen an den Höfen Europas war.
Kunckel war ein schillernder Charakter, stark umworben vom Großen Kurfürsten, der ihm die Pfaueninsel sogar zum Geschenk machte. Solche Figuren sind es, die Illies interessieren.
Florian Illies verbindet viele kleine Geschichten zu einem großen historischen Panorama
Der 1971 in der hessischen Kleinstadt Schlitz geborene Autor, Kunsthistoriker und Journalist begann seine Karriere mit einem Blick auf die eigene Gegenwart: Sein erster großer Erfolg war "Generation Golf" (2000), eine ironische und zugleich selbstkritische Beschreibung des Lebensgefühls westdeutscher Jahrgänge um 1970.
Später wandte er sich stärker der Kulturgeschichte zu. Mit "1913. Der Sommer des Jahrhunderts" wurde Illies international bekannt. Seine Methode: viele kleine Geschichten, Figuren und Zufälle zu einem großen historischen Panorama verbinden.
Zu seinen jüngeren Erfolgen zählt "Wenn die Sonne untergeht", das 2025 erschienene Buch über Thomas Mann und seine Familie und ihr vorübergehendes Exil in Südfrankreich während der Nazizeit. Im selben Jahr erschien "Zauber der Stille" über Caspar David Friedrich. Illies ist ein wahrer Vielschreiber.
"Träume aus Feuer" fügt sich gut in sein bisheriges Werk. Der Roman erscheint im vor einem Jahr gegründeten Pfaueninsel Verlag, einer literarischen Marke innerhalb der Bastei-Lübbe-Gruppe. Der Verlag positioniert sich mit einem erzählerischen Programm zwischen ambitionierten Stoffen und literarischer Leichtigkeit. Dass in diesem Fall die Geschichte des Buches samt Schauplatz – die Pfaueninsel – und der Verlag so eng und namentlich miteinander verbunden sind, ist Teil der erzählerischen Idee: Ort, Stoff und Publikation greifen ineinander.
Die Dresdner Buchpremiere mit Florian Illies, moderiert von Karin Großmann, findet als Veranstaltung von Literatur LIVE am 29. Juni im Schauspielhaus statt. Karten gibt es für 19-26 Euro.
Titelfoto: Bildmontage: Buch, PR

