Bestseller-Autorin Sabine Ebert über ihr neues Buch: "Es ist mein emotionalstes Werk"
Dresden - Sabine Ebert (68) veröffentlichte 2006 ihren ersten Roman unter dem Titel "Das Geheimnis der Hebamme". Die Geschichte der jungen Marthe begeisterte ein Millionenpublikum im In- und Ausland. Der Erfolg fand seine Fortsetzung als fünfteilige Saga und ebnete der Schriftstellerin den Weg zur Bestseller-Königin. Am 2. November erscheint nun das sechste Buch der Hebammen-Reihe "Marthe. Die Erinnerungen der Hebamme". Warum Sabine Ebert dieses Buch "mein emotionalstes Werk" nennt, erfuhr TAG24-Redakteurin Pia Lucchesi (53) bei einer Tasse Zartbitter-Schokolade in einem Café an der Dresdner Frauenkirche.
"Mein Verlag Droemer Knaur wünschte sich zum 20-jährigen Jubiläum eine Fortsetzung der Reihe. Zuerst wollte ich nicht. Für mich war die Geschichte auserzählt. Schließlich hatte ich sie ja auf 3000 Seiten niedergeschrieben", sagt Sabine Ebert und schmunzelt. Schlussendlich fand sie nämlich doch Gefallen an dem Gedanken, ihre Hebammen-Reihe mit einem letzten Werk zu krönen.
Ebert: "Im neuen Roman blickt Marthe auf ihr Leben zurück. Ich erzähle von ihrer Kindheit, ihren letzten Jahren und ihrer Reise ins Heilige Land. Zudem fülle ich Zeitsprünge auf, die es in den Büchern gegeben hat."
Ohne zu viel zu verraten: Das Buch wird Fans die Chance geben, Marthe mit neuen Augen zu sehen. Beim Schreiben widmete die Schriftstellerin diesmal besonderes Augenmerk auf Marthes Gefühls- und Beziehungswelt.
Franken, im Mai 1157. Marthe ist vier Jahre alt, traumatisiert. Ihre Eltern sind bei einem gewaltsamen Überfall zu Tode gekommen. Die Heilerin Serafine nimmt das Kind in ihre Obhut. Dank ihrer Fürsorge findet die Kleine zurück ins Leben und wird mit den Jahren selbst zur Heilkundigen. "Der erste Teil meines neuen Buches endet dort, wo 'Das Geheimnis der Hebamme' beginnt", sagt Sabine Ebert.
Autorin verspricht traurige, aber auch lustige Momente
Als Heilkundige Marthe trifft auf Markgrafen und Kaiser, gerät in Gefahr, gewinnt und verliert ihre Liebe. Sie schaut zurück auf Siege und Niederlagen. Fans und Lesern beschert das auf 400 Seiten ein Wiedersehen mit Siedlern, Weggefährten. Dazu gibt es jede Menge ausführliches Zusatzmaterial.
"Mich hat es beim Schreiben beflügelt, dass die Ankündigung des sechsten Bandes im Internet so bejubelt wurde", gesteht Sabine Ebert. Sie verspricht: "Es wird traurige, aber auch lustige Momente geben. Marthe hat auch einen Wutausbruch und zettelt fast einen Aufruhr an."
Unter Literatur-Kritikern gibt es ein geflügeltes Wort: Demnach findet man unter Romanciers Gärtner, die ihre Geschichten wachsen lassen und Architekten, deren Plots genau konstruiert sind.
Die Schriftstellerin Sabine Ebert besitzt beide Talente. Ihre akribisch recherchierten historischen Fakten bindet sie akkurat ein in einen literarischen Kranz aus Geschichten, die eine Saga tragen und Fenster in die sächsische und deutsche Geschichte öffnen.
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Gebrochener Arm kurz vor Abgabetermin des Manuskriptes
Der Band "Marthe. Die Erinnerungen der Hebamme" stellte in diesem Kontext für sie eine besondere Herausforderung dar. Der Lebensweg der Hebamme war ja in fünf Bänden schon beschrieben.
"Da sollten sämtliche Details passen. Meine Schwester hat mir dabei geholfen. Sie hat immer wieder für mich in den Bänden nachgeschlagen, damit ich keine Fehler mache zum Beispiel bei Altersangaben", berichtet Ebert.
Sie schwärmt: "Es war das erste Mal, dass wir so zusammen gearbeitet haben und es war großartig. Als Geschwister hat uns das auf eine neue Weise zusammengebracht."
Hinter Sabine Ebert liegen anstrengende Monate des Schreibens. Die Arbeit am Buch verlangte der Schriftstellerin, die an Long Covid leidet, enorme Anstrengung ab.
Hinzu kam ein gebrochener Arm kurz vorm Abgabetermin des Manuskriptes. Der machte es notwendig, dass sie zuletzt Nächte durcharbeitete. "Ich brauche jetzt viel Ruhe und muss mich erst einmal erholen. Schließlich will ich dieses besondere Jubiläum richtig feiern und nächstes Jahr den dritten Band meiner Silberbaum-Reihe vollenden."
Sabine Ebert hat eine Mission
Alle Heldinnen in Eberts Büchern zeichnet eine tiefe Menschlichkeit aus. Gewalt und Schrecken tauchen ihren Werken nicht aus Berechnung auf. Sie fußen auf historischen Überlieferungen der jeweiligen Ereignisse und Epochen.
Die Wahl-Dresdnerin: "Ich möchte mit meinen Romanen deutsche Geschichte erzählen und einem großen Publikum präsentieren, neuste Forschungsergebnisse eingeschlossen. Außerdem möchte ich vom schweren Leben der Frauen in vergangenen Jahrhunderten berichten."
Sabine Ebert und Marthe - wie es um ihre Beziehung steht, erfährt man auch in dem neuen Buch. Die Schriftstellerin gewährt in einem Kapitel nämlich tiefe Einblicke in ihren Arbeitsalltag und Leben. Das darf verraten werden: Ebert nennt Marthe "ihren Schützling".
Beim Schreiben trägt sie am liebsten bequeme Kleidung. Ihr Schreibtisch steht am Fenster. Flache Schuhe zieht sie immer jenen mit Absatz vor. Und: Sie ist froh, zu den wenigen Autoren in Deutschland zu gehören, die vom Schreiben leben können.
Hebammen-Reihe wird neu aufgelegt
Anlässlich des 20. Jubiläums wird die komplette Hebammen-Reihe noch einmal im Taschenbuchformat mit neuem Cover aufgelegt. Außerdem werden auch alle Hörbücher neu eingelesen.
Jedes Buch der Reihe war ein Bestseller und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Eberts Debütroman "Das Geheimnis der Hebamme" diente der ARD als Vorlage für einen Film-Event-Zweiteiler.
Zwei Bücher adaptierte das Theater. Die Aufführungen der Stücke auf der Felsenbühne Rathen mit den Landesbühnen Sachsen sind Publikumsmagnete.
Titelfoto: Montage: picture alliance/dpa, Droemer Knaur

