Von Lilli Vostry
Dresden - Mit seinem Soloabend "Mein Freund, der betrunkene Sachse" hatte Thomas Kaufmann (48) eine erste Hommage an den 2019 verstorbenen Kabarettisten Olaf Böhme (†65) geliefert. Mit dem Programm "Der betrunkene Sachse: Nüchtern betrachtet war's betrunken besser" legt er nach. Premiere war am Ostermontag im Dresdner Boulevardtheater.
Er ist wieder da und sitzt an seinem Lieblingsort, in der Kneipe. Seine Kumpels sind schon fort und Paul darf wieder mal die Zeche bezahlen. Doch diesmal kommt es ärger: "de Muddi" – Gewohnheitsliebe und Endgegner zugleich – hat ihn verlassen. Nun hat er keinen mehr zum Streiten, Lachen, Weinen, Schimpfen. So schüttet er nach und nach, wie immer reichlich komisch, sein Herz aus und lässt tief blicken auf Freud und Leid, menschliches Mit- und Gegeneinander.
Kaufmann führt Böhmes beliebte Figur des "betrunkenen Sachsen" in die heutige Zeit. Der nimmt humorvoll beschwipst kein Blatt vor den Mund. Ob Skatspiel mit Freunden oder Politik: "Es macht einfach keen Spaß, wenn die anderen keine Ahnung haben!" Und heimst viel Beifall für seine direkten Sprüche ein, die bisweilen derb und poltrig daherkommen, besonders wenn es um "de Muddi" geht. Er kann weder mit noch ohne sie sein, sie ist sein Halt und Blitzableiter.
"Sie ist ausgezogen. Nee, nicht nacksch, sondern richtig. Sie ist weg!", ärgert er sich und liest ihren Abschiedsbrief vor. Manchmal braucht es nicht nur einen neuen Anstrich, sondern einen neuen Anfang, steht da. Ausgerechnet am 30. Hochzeitstag muss er das lesen. Dabei hat er sich gerade schick gemacht, legt die karierte Krawatte lose ums weiße Hemd, das halb aus der Hose hängt, und steht schwankend, mit skeptisch spöttischer Miene da. Zwischen Enttäuschung, Alleinsein, Erleichterung, Zweifeln und Verzweiflung, Reue und Wehmut hin- und hergerissen, betrachtet er sein Leben, die Zeit vor und mit der "Muddi".
Teil des Programm-Erlöses fließen in zwei Projekte
Das Publikum amüsiert sich prächtig, wenn dieser Sachse neugierig, eifrig und unerschütterlich mit den Tücken des Alltags und Internets kämpft, mit zu kleinen oder großen Tupperdosendeckeln, mit windigen Versicherungsvertretern oder den immer gleichen Politikersprüchen, sodass er einfach Helene Fischer auf seinen Wahlzettel schreibt. In einem muss er der "Muddi" recht geben: "Es ist heute schwer, dumm zu sein, da die Konkurrenz gigantisch ist!" Vielleicht der beste Spruch des Abends.
So paradox wie der Titel ist auch das ganze Programm: voller Widersprüche, Absurditäten und überraschender Wendungen. Der "betrunkene Sachse" ist nachdenklicher, reifer geworden; in Sprache, Tonfall, Mimik und Spielweise ist Thomas Kaufmann nah dran am Original, an Olaf Böhme. Die Welt ist verrückt genug und er setzt immer noch eins drauf, staunend und mit schelmischem Lächeln. Sein Humor trifft immer noch ins Schwarze, honoriert von begeistertem Applaus.
Ein Teil des Programm-Erlöses sowie aus Böhmes Erbe fließen in zwei vom Kabarettisten unterstützte Projekte: einen Naturschutzverein in Brandenburg und den Verein "Sonnenstrahl" in Dresden, um krebskranke Kinder und ihre Angehörigen zu unterstützen.
Künftige Termine: www.boulevardtheater.de