Dresden - Die Kassen klingeln, die Finanzen sind knapp. Was widersprüchlich klingt, ist an der Dresdner Semperoper Wirklichkeit. Die Theaterleitung zog am Dienstag Bilanz des vergangenen Jahres und verkündete das Programm der kommenden Spielzeit.
Die Publikumsauslastung der Semperoper nähert sich in der Quote Wahlergebnissen der DDR an: 95,7 Prozent sind für 2025 verzeichnet, im Januar dieses Jahres waren es sogar 97,4 Prozent.
Worin sich der Opernbesuch von besagten Wahlen unterscheidet: Er geschieht freiwillig, der Erfolg ist echt. Rund 300.000 Besuche zählte man in Opernaufführungen, alles andere hinzugenommen - Fremdveranstaltungen, Tourneen, Führungen -, türmt sich eine Zahl von 582.000 Besuchen auf, 37.000 mehr als 2024.
Trotz des Publikumserfolgs ist der Säckel eng geschnürt. Bei einem Gesamtetat von 100 Millionen Euro mussten die Staatstheater - Semperoper und Staatsschauspiel - vergangenes Jahr 7,3 Millionen Euro einsparen.
Dieses Jahr sind 5,9 Millionen fällig, noch dazu müssen zum Beispiel Tarifsteigerungen aus den Etats heraus finanziert werden. 1076 Mitarbeiter zählen die Staatstheater derzeit, Stellenkürzungen sind nicht vorgesehen.
Wesentlich in anderen Bereichen wird gekürzt, auch bei den künstlerischen Produktionen, wo in der Spielzeit 2026/27 aus Kostengründen eine Premiere wegfällt.
Zehn Premieren in Oper und Ballett stehen an, dazu 25 Repertoirestücke. "Ein spannender Spielplan lebt immer von der Vielfalt", sagt Intendantin Nora Schmid (47). Dieses Kriterium dürfte erfüllt sein.
Zahlreiche Auftritte stehen auf dem Spielplan
Auf dem Spielplan bilden Verdis "Un ballo in maschera" und Wagners 1842 in Dresden uraufgeführter "Rienzi, der Letzte der Tribunen" als erste und letzte Premiere der Spielzeit den Rahmen, in den sich unterschiedliche Produktionen wie Lehárs Operette "Die lustige Witwe", Martinůs "The Greek Passion" (als Dresdner Erstaufführung) und Ferdinando Paërs "Leonora" (eine Vorläuferin von Beethovens "Fidelio") einfügen.
In Semper Zwei werden Torsten Raschs 2025 uraufgeführte Kammeroper "Die wunderbaren Jahre" nach dem gleichnamigen Buch von Reiner Kunze sowie - als Uraufführung - Jens Joneleits "Pech, Marie!" und Samuel Penderbaynes "Subotnik" (als Dresdner Erstaufführung) inszeniert.
Das Ballett ist mit zwei Produktionen - "Different Grounds" (ein dreiteiliger Abend) und Prokofjews "Cinderella" von Kinsun Chan (Uraufführung) - mit dabei.
Zu den Wiederaufnahmen zählt neben Produktionen wie Strauss' "Der Rosenkavalier", Korngolds "Die tote Stadt", Mozarts "Die Zauberflöte" und "Don Giovanni" auch Beethovens "Fidelio" in der berühmten Inszenierung von Christine Mielitz (1989) - Letzteres in Verbindung zu Ferdinando Paërs' "Leonara" (s.o.) als Verbeugung vor Ludwig van Beethoven, der 2027 seinen 200. Todestag hat.
Der Vorverkauf beginnt am 25. März um 10 Uhr, für Abonnenten am 10. März um 10 Uhr.