Drei Porzellanschätze im Grünen Gewölbe: Kunst des Kaiserlichen Chinas in Dresden

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Dresden - Die Ausstellung "Im Fokus: Drei seltene Schätze des Kaiserlichen Chinas" im Sponsel-Raum des Dresdner Residenzschlosses wirkt auf den ersten Blick bescheiden: drei Objekte. Nicht mehr. Auf den zweiten Blick ist es, als hätte jemand ein Fenster in eine andere Welt aufgestoßen – eine Welt, in der Kaiser mithilfe von Drachen regierten, in der eine schlichte Schale den Blick bannt und in der jedes Detail eine Geschichte erzählt.

Zwischen 1100 und 1125 datiert diese Ru-Schale, ein Pinselwaschgefäß.
Zwischen 1100 und 1125 datiert diese Ru-Schale, ein Pinselwaschgefäß.  © Eric Münch

Von "drei Spitzenstücken eines Kaiserlichen Gipfeltreffens" spricht Bernd Ebert, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD).

Da ist diese kleine, fast unscheinbare Ru-Schale. Blassblau-grünliche Glasur, glatt, zurückhaltend. Man könnte sie übersehen – wüsste man nicht, dass es weltweit nur noch 89 Stück davon gibt und diese die einzige in einem deutschen Museum ist. Rund 900 Jahre alt, aus der Song-Dynastie (960–1127), benutzt vermutlich als Waschschale für Pinsel. Kein Prunk, kein Gold – eben darin liegt ihre Größe.

Die Ru-Schale ist einer der stillen Stars im Museumsbestand, kam vergleichsweise spät nach Dresden. Anfang des 20. Jahrhunderts erwarb sie der deutsche Arzt und Sammler Oscar Rücker-Embden während eines Aufenthalts in China.

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Erst 1927 gelangte sie in die Porzellansammlung. Jahrzehntelang stand sie dort – beachtet, aber nicht erkannt. Erst seit wenigen Jahren weiß man, dass es sich nicht, wie vermutet, um ein Produkt aus Korea handelt, sondern um eine der seltensten Keramiken der Welt.

Drachenvase und Schnupftabakfläschchen komplettieren Sammlung in Dresden

Die farbenfrohe Drachenvase mit kaiserlicher Siegelmarke (etwa 1735–1796).
Die farbenfrohe Drachenvase mit kaiserlicher Siegelmarke (etwa 1735–1796).  © Eric Münch

Dann die Drachenvase aus der Zeit des Kaisers Qianlong (1735–1795), der Qing-Dynastie. Das komplette Gegenteil: laut, farbenfroh, selbstbewusst. Neun Drachen winden sich über ihre Oberfläche – nicht zufällig, denn die Neun steht in China für Ewigkeit. Und der Drache? Der war das Symbol schlechthin für kaiserliche Macht. Wer so eine Vase besaß, war nicht irgendwer.

Die Drachenvase steht sinnbildlich für die große China-Begeisterung des europäischen Barocks. Schon zu Zeiten Augusts des Starken begann in Dresden eine regelrechte Jagd nach ostasiatischem Porzellan. In die Sammlung kam auch die Vase im vergangenen Jahrhundert.

Und dann das kleine Schnupftabakfläschchen. Lange hielt man es für eine europäische Arbeit. Erst 2013 wurde erkannt, dass es aus kaiserlichen Werkstätten in Peking stammt, wiederum zur Zeit der Qing-Dynastie.

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Chinesisches Schnupftabaksfläschchen, aus der Zeit um 1661–1722.
Chinesisches Schnupftabaksfläschchen, aus der Zeit um 1661–1722.  © Eric Münch

Staatliche Kunstsammlungen Dresden haben Forschungs-Vereinbarung mit Museum in Peking geschlossen

Die SKD bewahre "die größte Sammlung frühneuzeitlichen Porzellans aus China und Japan außerhalb Asiens", heißt es in einer Selbstauskunft. Diese Ausstellung verbindet nicht nur fernes China mit Dresden. Sie erzählt auch davon, wie Kunst ihren Weg findet: über Umwege, Irrtümer, lange Zeiträume. Um der Geschichte von Objekten wie diesen noch näherzukommen, haben die SKD eine Forschungs-Vereinbarung mit dem Palastmuseum in Hongkong geschlossen.

Die Ausstellung ist geöffnet bis 29. Juni.

Titelfoto: Bildmontage: Eric Münch (3)

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