Dresdner Extremschwimmer will die Donau bezwingen: Von Deutschland bis zum Schwarzen Meer!

Dresden - Joseph Heß hat eine Leidenschaft und eine Mission. Der Extremschwimmer will sich im Sommer in die Fluten der Donau stürzen, 2850 Kilometer schwimmen und Wasserproben sammeln für die erste vollständige Mikroplastik-Kartierung Europas. Warum? Weil er es kann und für die Wissenschaft brennt. Die Donau ist nach der Wolga der wasserreichste Fluss Europas. Ihr Wasser stillt tagtäglich den Durst von Millionen von Menschen. Lesen Sie hier, wie der Dresdner sich auf dieses Mammutprojekt vorbereitet.

Joseph Heß (38) will im Sommer die Donau durchschwimmen. Die Vorbereitung für das Projekt bewältigt der Dresdner neben Beruf, Familie und Training.  © Norbert Neumann

Erst die Elbe (2017: über 620 km in 12 Tagen). Dann der Rhein (2022: 1 232 km in 25 Tagen). Und nun die Donau. Ganz offensichtlich müssen die Projekte immer größer werden, damit sie den Hunger nach Herausforderung und Abenteuer von Joseph Heß stillen können.

"Ja, irgendwie ist es schon so", gesteht er. "Aber die Donau soll der krönende Abschluss meines Flussschwimmens werden. Nach diesem Projekt will ich nur noch kleine, familienfreundliche Sachen schwimmen. Etwa den Ärmelkanal. Das kann man gut mit einem Urlaub mit Kind verbinden", sagt der Extremschwimmer, der Vater einer zweijährigen Tochter ist.

Insgesamt 60 Tage hat der sympathische Wirtschaftsingenieur für sein Donau-Projekt angesetzt.

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Der Dresdner plant, täglich zwischen acht bis zehn Stunden oder länger zu schwimmen, um es in der begrenzten Zeit vom Schwarzwald bis ans Schwarze Meer zu schaffen.

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Beim Durchschwimmen von Elbe und Rhein begleitete den Sportler immer auch ein Kajak. Auf der Donau soll es wieder so sein.  © Daniel Reinhardt/dpa

Uni Leipzig ist Partner von Joseph Heß

Joseph Heß hat seine Leidenschaft fürs Flussschwimmen erst vor reichlich zehn Jahren entdeckt.  © DPA

Heß besitzt schier übermenschliche Willenskraft. Das kommt ihm beim Sport und auch bei der Suche nach Sponsoren, Begleitern sowie beim Umgang mit den Donau-Behörden zugute. Bereits vor einem Jahr trat er den Genehmigungsmarathon an, der für das Langstrecken-Schwimmen nötig ist (alle Anrainerländer müssen einzeln angeschrieben werden).

Heß: "Mein Sicherheitskonzept sieht vor, dass mich beim Schwimmen immer ein kleines Motorboot und ein Kajak begleiten." Ein Wohnmobil wird Heß und seinem Team als rollendes Hotel während der Tour dienen.

"Das hat sich bewährt, denn nach dem Schwimmen ist mein Job noch nicht getan. Neben der Mikroplastik-Kartierung beschäftigt uns noch wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Sport-Psychologie. Die Uni Leipzig ist dabei mein Partner", berichtet Joseph Heß mit vor Vorfreude strahlenden Augen.

7 Dinge, die der Dresdner zum Schwimmen braucht

Wer 60 Tage lang schwimmen will, muss seiner Hautpflege Aufmerksamkeit widmen. Heß setzt auf Vaseline und eine Creme, auf die Surfer schwören.  © Norbert Neumann

Neoprenanzüge: Davon nimmt Joseph Hess mehrere in verschiedenen Dicken (1,5 mm bis 8 mm) mit. Heß entscheidet täglich neu, welchen Anzug er trägt. In welchem Anzug er schlussendlich schwimmt, ist abhängig von der Wassertemperatur und seinem persönlichen Wohlbefinden. Ohne Anzug und nur bekleidet mit einer Badehose steigt Heß auch in den Fluss. "Da muss dann aber alles passen", sagt er.

Badekappe: Sie schützt vor übermäßigem Wärmeverlust über den Kopf und dient als Werbefläche.

Boje: Im Wasser zieht Heß immer eine leuchtend orange Boje hinter sich her. Damit kann er in den Wellen rascher gesehen und geortet werden.

Vaseline: Sie trägt er täglich beim Schwimmen massenhaft auf die Haut auf, um zu verhindern, dass die Haut sich am Neopren wund reibt. Besonders gefährdete Stellen dafür befinden sich am Hals, den Achseln und den Beinen.

Ohrstöpsel: Aus Silikon. Sie wärmen und verhindern, dass verschmutztes Flusswasser Entzündungen in den Ohren verursachen kann.

Lieblingsschwimmbrille: Schützt die Augen, damit diese sich nicht entzünden.

Med-Box: Prall gefüllt mit Mitteln gegen Durchfallerkrankungen - von Kohle bis Mineralien und Elektrolyten.

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Der Extremschwimmer zieht im Freiwasser immer eine Boje hinter sich her, damit Bootsführer ihn nicht übersehen.  © Norbert Neumann

Zehn Länder und ein hehres Ziel

Die Donau in Passau. Der enorme Schiffsverkehr auf dem Fluss stellt für den Extremsportler eine besondere Herausforderung dar.  © IMAGO/Ralph Hoppe

Die Dimensionen des Projekts lassen sich gut mit fünf Zahlen beschreiben:

4,2 Tonnen Mikroplastik fließen täglich durch die Donau - das entspricht dem Gewicht von 42.000 Plastikflaschen.

18 Millionen Menschen leben entlang des Hauptstromes der Donau. Das Wasser der Donau wird genutzt, um Trinkwasser für insgesamt 83 Millionen Menschen herzustellen.

10 Länder werden von der Donau durchflossen von den Quellen bis zur Mündung. Einheitliche Daten zur Wasserqualität liegen aber nicht vor. Um politisches Handeln in Sachen Umweltschutz und Wasserversorgung zu erzwingen, braucht es aber eine solide Datenbasis. Ohne wissenschaftliche Grundlagen handelt die EU nicht.

250 Flusswasser-Proben will Joseph Heß mit seinem Team während seines Donauschwimmens sammeln. Pro Probe wird mit Kosten von über 300 Euro gerechnet - von Entnahme über die Analyse bis hin zur Auswertung. Die unabhängige Forschungs- und Bildungseinrichtung Wasser 3.0 aus Karlsruhe leistet diese Arbeit. Das gemeinnützige Unternehmen hat sich u.a. darauf spezialisiert, Lösungen für Wasser ohne Mikroplastik zu entwickeln. Wasser 3.0 und Joseph Hess sammeln noch Spenden (www.betterplace.org) für dieses außergewöhnliche Projekt.

2857 Kilometer lang ist die Donau.

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