Dresdner Kabarett-Theater lässt sich nicht lumpen: Dieses Programm erwartet Euch zum Jubiläum

Dresden - Die Herkuleskeule wird in diesem Jahr 65, geht aber deshalb noch lange nicht in Rente. Das wohl bedeutendste ostdeutsche Kabarett-Theater ist nämlich keineswegs in Ehren ergraut, sondern quicklebendig.

Der Künstlerische Leiter der Herkuleskeule, Philipp Schaller (47), hier im Soloprogramm "Sie mich auch - update '25".  © Robert Jentzsch

Für Philipp Schaller (47), Künstlerischer Leiter der Herkuleskeule, brauche es angesichts der "im Moment so schlecht gemachten Politik" weiterhin dringend satirische Betrachter wie die Keulen-Kabarettisten.

Man mache politisches Kabarett, ohne Parteien das Wort zu reden, so Schaller: "Das ist die Aufgabe der Kunst und wird von den Besuchern nach den Vorstellungen im direkten Gespräch bei aller Kritik auch positiv gespiegelt." Das bestärke Schaller und sein Ensemble, am Wesenskern "politisches Kabarett" festzuhalten: "Absichtslosen Spaß können die Kollegen anderer Privattheater viel besser."

Nun steht der 65. Geburtstag der Herkuleskeule an, der gebührend begangen werden soll. Gegründet wurde die "Keule" am 1. Mai 1961 von Manfred Schubert, also wird am 1., 2. und 3. Mai mit dem Jubiläumsprogramm "Ziemlich beste Lieder" gefeiert. Das soll bewusst kein üblicher Rückblick werden.

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Kabarettistin Birgit Schaller (64) sagt: "Wir wollen den Fokus auf die Musik richten, denn auf der Musik lag immer unser Augenmerk". Derzeit wähle man aus dem "gigantischen Fundus der Lieder der letzten Jahrzehnte" sorgsam ein Programm aus Lieblingsnummern aus.

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Zum Jubiläum in der Herkuleskeule: Rededuell zwischen Wagenknecht und Kretschmer

Birgit Schaller (64, v.l.), Alexander Pluquett und der musikalische Leiter der "Keule", Jens Wagner (hier zusammen in "Die Erde hat eine Scheibe"), sind nur drei von vielen Beteiligten am Jubiläumsprogramm "Ziemlich beste Lieder".  © Robert Jentzsch

Ergänzt wird das Jubiläumsprogramm unter anderem durch ein Action-Painting am 1. Mai, einem Rededuell (2. Mai, 18 Uhr) zwischen Sahra Wagenknecht (56, BSW) und Ministerpräsident Michael Kretschmer (50, CDU) sowie einem Live-Podcast mit Philipp und Wolfgang Schaller am 3. Mai zum Thema "Wie steht es um die Meinungsfreiheit?" (16 Uhr).

Hinzu kommt am 4. Mai, 19.30 Uhr, das "Schäferstündchen" mit Thomas de Maizière als Gast. (Die vierteljährliche Talkrunde mit Alexander Schäfer wird ohnehin ab diesem Jahr auf Besucherwunsch vom Sonntagmorgen auf den Montagabend verlegt.)

Zahlreiche Gastspiele von Bühnen wie der Erfurter Arche, der Leipziger Pfeffermühle, der Magdeburger Zwickmühle sowie von Solo-Kabarettisten begleiten das Jubiläum über das ganze Jahr.

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Bei aller Vorfreude lehnt sich die "Keule" nicht entspannt zurück; denn das Vorjahr war laut Geschäftsführer Jens Fritzsche zwar positiv, aber durchwachsen: Rund 49.000 Besucher fanden 2025 den Weg in den Kabarettkeller im Kulturpalast (erfolgreichstes Stück: "Generation XY ungelöst"), etwa 5000 Menschen mehr als 2024.

Bei erhöhter Vorstellungsgfrequenz blieb die durchschnittliche Auslastung dennoch bei 62 Prozent.

Mehr Besucher als 2024, aber: Vor-Corona-Auslastung noch nicht erreicht

Ein "übersichtliches Wachstum" laut Fritzsche, der die Rückkehr zur Vor-Corona-Auslastung von rund 80 Prozent anstrebt. Auch drücke die Kürzung der institutionellen Förderung der Stadt von bisher rund 160.000 Euro auf 75.000 Euro bei bleibenden Miet- und Nebenkosten von rund 270.000 Euro.

Die Differenz wolle man mit Sponsoren auffangen. Auch hadere man mit der "Unsichtbarkeit" im Keller des Kultis und sei für eine größere Sichtbarkeit am Gebäude mit dem Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement im Gespräch.

Erfreulich hingegen die Resonanz auf das Sommerkabarett "Nur die Harten komm' in Garten" im Gewächshaus der Gärtnerei Reicker: Hier konnte man vergangenes Jahr 6000 Gäste in 21 ausverkauften Vorstellungen zählen. Das werde man dieses Jahr fortsetzen.

Philipp Schaller: "Das neue Programm heißt '9 Quadratmeter - 800 kalt. Das große WG-Casting'". Ein "Parforceritt durch ein Figuren-Panoptikum ohne Rücksicht auf von links bis rechts" soll es von 30.7. bis 30.8. werden. Tickets gibt es ab 26 Euro.

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