Jan Vogler hat Grund zum Feiern! Der Unermüdliche wird 60

Dresden - Jan Vogler feiert am heutigen Sonntag, dem 18. Februar, 60. Geburtstag. Seit 40 Jahren prägt er das Dresdner Kulturleben mit.

Jan Vogler (60) mit seinem Cello bei einem Fotoshooting in der Dresdner Gemäldegalerie vor Bellottos "Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke".
Jan Vogler (60) mit seinem Cello bei einem Fotoshooting in der Dresdner Gemäldegalerie vor Bellottos "Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke".  © PR/Marco Grob

Zunächst fungierte Vogler als Erster Konzertmeister Violoncello der Staatskapelle, später, im wiedervereinigten Land, als Mitbegründer und künstlerischer Leiter des Moritzburg Festivals (seit 1993) und als Intendant der Dresdner Musikfestspiele (seit 2009).

Seinen Wohnsitz hat Vogler seit mehr als 25 Jahren in New York, als Solist ist er weltweit gefragt. Dabei ist er stets offen für ungewöhnliche, experimentierfreudige Projekte, sei es im Zusammenspiel mit Rocklegende Eric Clapton (78), im gemeinsamen Bühnenprogramm mit Hollywoodstar Bill Murray (73) oder in einer musikalischen Lesung mit der jungen US-Dichterin und Aktivistin Amanda Gorman (25), die mit ihrem Auftritt während der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden 2021 Weltruhm erlangte, in der New Yorker Carnegie Hall.

TAG24 sprach mit dem Unermüdlichen.

Jan Vogler trat am Tag vorm Geburtstag mit Amanda Gorman auf

Amanda Gorman (25) im Januar 2021 bei der Amtseinführung Joe Bidens.
Amanda Gorman (25) im Januar 2021 bei der Amtseinführung Joe Bidens.  © imago images/ZUMA Wire/Carol Guzy

TAG24: Herr Vogler, am gestrigen Samstag, dem Abend vor Ihrem Geburtstag, traten Sie in New York zusammen mit der Lyrikerin Amanda Gorman auf. Diese rezitiert eigene Gedichte, Sie spielen drei von Bachs Cello-Suiten. Neue Dichtung, alte Musik - waren Sie sich gleich einig über das Programm?

Jan Vogler: Ja. Amanda liebt Cello und kennt so natürlich auch die Solosuiten von Bach. Ich mag Gedichte seit meiner Jugend. Amandas Lyrik ist tatsächlich erfrischend modern. So landet Bach in der Gegenwart, und Amandas Gedichte profitieren von der Zeitlosigkeit von Bachs Musik.

TAG24: Wie haben Vogler und Gorman sich kennengelernt?

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Vogler: Bei einer Lesung und Buchvorstellung. Mich hat das interessiert, was sie über ihr eigenes Buch sagt. Am Ende war ich vor allem auch von ihrer Bühnenpräsenz beeindruckt und davon, wie ausdrucksvoll sie ihre eigenen Worte dem Publikum näherbringt. Nach der Veranstaltung hatte ich Gelegenheit, sie persönlich kennenzulernen.

TAG24: Wie ist die Chemie zwischen Ihnen beiden?

Vogler: Zuvor haben wir nur eine Radiosendung zusammen gemacht, da war die Chemie super. Der eigentliche Test ist dann natürlich das Konzert, vor allem da die Bühne der Carnegie Hall vielleicht der anspruchsvollste Platz für eine Premiere ist. Aber ich bin optimistisch, weil es immer ein großartiges Gefühl ist, mit einem starken Partner die Bühne zu teilen.

TAG24: Als der Auftritt im Oktober öffentlich kommuniziert wurde, haben Sie die Hoffnung geäußert, das Programm für die Musikfestspiele nach Dresden holen zu können. Gibt es da mittlerweile Konkretes?

Vogler: Wenn es eine Fortsetzung gibt, steht Dresden ganz oben auf der Liste.

So steht es um die Musikfestspiele in Dresden

Jan Vogler will bei den Dresdner Musikfestspielen 2024 unter dem Motto "Horizonte" den Blick auf klassische Musik erweitern.
Jan Vogler will bei den Dresdner Musikfestspielen 2024 unter dem Motto "Horizonte" den Blick auf klassische Musik erweitern.  © dpa/Sebastian Kahnert

TAG24: Die Musikfestspiele 2024 beginnen in nicht einmal drei Monaten. In den zurückliegenden Jahren, die Corona-Jahre ausgenommen, eilten sie den Vorverkauf und das Endergebnis betreffend von Rekord zu Rekord. Wie steht es diesmal?

Vogler: Wir sind sehr zufrieden. Das Dresdner Publikum reagiert sehr enthusiastisch auf das immer breitere Programm. Die vielen Genres und Formate werden sehr gut angenommen. Wir sind dem letzten Jahr deutlich voraus mit dem Vorverkauf.

TAG24: Wut, Streit und Depression, die sich ob Heizungsgesetz, Migration oder russischem Angriffskrieg epidemisch übers Land legen, schaden den Musikfestspielen nicht?

Vogler: Ich denke, wir alle brauchen Momente, in denen wir die Realität einmal ausblenden und ganz in der Fantasie leben. Wir versuchen ganz gezielt, das Publikum in eine Traumwelt abzuholen oder Geschichten zu erzählen, die unseren Alltag ins Verhältnis zu Werten und Idealen setzen.

TAG24: Ihr Intendanten-Vertrag bei den Musikfestspielen reicht noch zwei Jahre. Haben Sie Lust, noch einmal zu verlängern? Wenn die öffentliche Verwaltung dabei bleibt, ihre Mitarbeiter regelgerecht in Rente zu schicken, würden Sie mit einem folgenden Fünfjahresvertrag eine Punktlandung hinlegen.

Vogler: Haha! Es macht mir tatsächlich enorm Spaß, mit meinem Team an der Zukunft der Musik, an neuen Ideen und großen Projekten zu arbeiten.

TAG24: Wie feiern Sie Ihren Geburtstag am heutigen Sonntag?

Vogler: Mit meiner Familie und Freunden. Ich habe das Glück, dass auch ein paar enge Dresdner Freunde kommen.

Titelfoto: PR/Marco Grob

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