Tübingen/Dresden - Damit hätte Dieter Thomas Kuhn (61) vermutlich selbst nicht gerechnet, am Ende aber nimmt der Entertainer mit seiner Band - nach eigener Aussage - in der Musikgeschichte eine entscheidende Rolle ein.
"Den Schlager-Hype haben wir natürlich mit ausgelöst. Vor vielen Jahren war der Schlager schon weg vom Fenster und als wir anfingen, hat er eine Renaissance erfahren", meint der Tübinger im TAG24-Interview und gibt zu: "Am Anfang haben wir das natürlich mit einem Augenzwinkern gemacht."
Mit seiner Band parodierte er Mitte der 1990er-Jahre zunächst den Schlager und holte damit aber das Genre aus der Mottenkiste raus.
"Obwohl wir ganz andere Musik früher gemacht hatten, haben wir gemerkt, dass Schlager eine unglaublich spaßige Sache ist, die die Leute berührt und bewegt", so Kuhn.
"Zu dem Zeitpunkt, als wir anfingen, sahen wir: Da bewegt sich was, da ist was zu Gange und das hat sich über die 35 Jahre eben so fortgesetzt."
Privat hört Dieter Thomas Kuhn alles andere als Schlager
Heute gleichen seine Konzerte einem Festival. Die Zuschauer verkleiden sich im 70er-Jahre-Look. Neben den Fans der ersten Stunde sind auch überraschend viele junge Menschen dabei.
"Erklären kann ich mir das nicht, aber ich kann das nur mit Wohlwollen hinnehmen und sagen, das ist schön so. Vielleicht bewegen wir auch in der jungen Generation noch irgendwas und das finde ich natürlich beeindruckend."
Am 10. August haben Fans bei den Filmnächten in Dresden die Möglichkeit, den Musiker am Elbufer zu treffen (Tickets gibt es online unter filmnaechte.de oder an der Abendkasse). Er stellt dort seinen Film "Und es war Sommer – Dieter Thomas Kuhn & Band" vor.
Allerdings werde er nicht in seinem Bühnenoutfit dort erscheinen, sondern in seinem privaten Look, der einem Rocker ähnelt. Denn privat hört der 61-Jährige auch andere Musik als Schlager. "Das hat natürlich angefangen mit den Beatles, den Rolling Stones und Led Zeppelin. Zurzeit bin ich aber auf dem Trip von Country Music."
Kuhn lasse sich gern "von anderen Genres und auch von anderen Künstlern inspirieren". Allerdings schließt er Kollaborationen aus. "Das habe ich noch gar nicht in Erwägung gezogen und war immer zufrieden mit dem, was ich selber schaffe." Duette mit irgendwem seien ihnen natürlich schon öfter auch mal angeboten worden.
"Aber ich habe das immer abgelehnt, weil ich dachte: Wir sind so eigenständig mit unserer Geschichte, dass wir gar keine Kooperation wollen und brauchen."
Film-Team begleitete Dieter Thomas Kuhn die komplette Tour
Warum Dieter Thomas Kuhn und seine Band so einzigartig sind, zeigt die Dokumentation. "Dieser Film gibt Einblicke in die Dieter-Thomas-Kuhn-Geschichte über die letzten 30, 35 Jahre, die es uns gibt. Emotionale Einblicke, neuesten Stand der Geschichte und viele Sachen, die man vielleicht einfach noch nicht wusste", kündigt der Sänger an.
"Mich hat der Film beim ersten Schauen berührt, weil ich Dinge bei der eigentlichen Aufnahme gar nicht wahrgenommen habe. Da war ich manchmal überrascht, was eigentlich passiert ist."
Während des Drehs - "die Doku entstand über die ganze Tour 2024, also von Sommer bis in den Herbst hinein" - habe er das Film-Team irgendwann nicht mehr wahrgenommen. "Und das soll ja auch diese Dokumentation widerspiegeln - nämlich, dass man vergisst, dass jemand dabei ist."
Auch habe er keinen Einfluss auf den Titel des Films "Und es war Sommer", ein Hit von Peter Maffay (76), gehabt. "Das lag nicht in meinen Händen. Das hat die Filmemacherin Juliane Sauter entschieden. Für uns ist es eines unserer wichtigsten Lieder und daher wirklich passend", so Dieter Thomas Kuhn.