Dresden - Versteckt zwischen Hammerweg und Stauffenbergallee liegt ein wichtiges Stück Dresdner Erinnerungskultur: Dort, wo zu NS-Zeiten das "Judenlager Hellerberg" stand und Zwangsarbeiterinnen ihre Kinder gebären mussten, sollen ein Umspannwerk der SachsenEnergie und ein Lkw-Parkplatz für den Zollhof entstehen. Mitwirkende der Initiative "Nordpark" schlagen Alarm.
Anfang Juni beschloss der Stadtrat den schnellen Verkauf der Grundstücksflächen an SachsenEnergie. Mit einem Offenen Brief wollen die Initiatoren nun auf den drohenden Verlust des Erinnerungsortes aufmerksam machen.
Bis Ende August werden Unterschriften gesammelt. Dann geht es an die Gespräche mit SachsenEnergie. Bisher erinnern dort lediglich rote Holzpfosten und "Erinnerungs-Splitter" an die Haftbaracken.
Im Stadtratsbeschluss heißt es währenddessen, die Flächen hielten ausreichend Abstand zum Gedenkort. Für die Initiatoren eine Milchmädchenrechnung.
"Das ist eine Behauptung ohne Begründung. Deshalb sind wir auch dafür, sich vor Ort erstmal ein Bild zu machen. Die Antrag stellenden Fraktionen dachten vielleicht, das Lager sei am Splitter am Hammerweg", betont Mit-Initiator Johannes Lichdi (62).
Auch Pfarrer Albrecht Nollau (63) hofft auf einen Kompromiss: "Es würde dem Ort seine Bedeutung nehmen. Die Gedenkfläche würde im Schatten moderner Infrastruktur stehen, dabei braucht er Raum und Würde."