Mehr als nur stilles Erinnern: "Moralische Sackgasse" - ein Kommentar

Dresden - Innezuhalten. Der Toten zu gedenken. Und gemeinsam zu sagen: nie wieder. Darum geht am 13. Februar. Doch dieser Tag ist längst mehr als stilles Erinnern. Er ist umkämpft.

Menschen reichten sich am 13. Februar in Dresden die Hände.  © Steffen Füssel

Seit Jahren gilt der 13. Februar für Rechtsextreme als Bühne. Das sächsische Landesamt für Verfassungsschutz bezeichnet den Tag nicht umsonst als "rechtsextremistischen Vereinnahmungsversuch".

Immer wieder versuchen Neonazis, die Bombardierung Dresdens für ihre Zwecke umzudeuten, Opferzahlen zu verzerren und den Luftangriff mit dem Holocaust gleichzusetzen. Eine gefährliche Geschichtsklitterung, die verhöhnt statt erinnert.

Aber auch auf der linksextremen Seite wird der Ton schrill. Wenn behauptet wird, die getöteten Dresdner seien "selbst schuld" gewesen, weil sie Deutsche waren, dann ist auch das ein Schlag ins Gesicht der Opfer. Als ob Bomben zwischen Schuldigen und Unschuldigen unterscheiden würden. Als ob Kinder, Senioren, Zivilisten irgendeine Wahl gehabt hätten.

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TAG24-Redakteur Benjamin Schön.  © Holm Helis

Der 13. Februar darf kein Spielball der Extreme sein. Er ist kein Tag für Relativierungen. Kein Tag für ideologische Grabenkämpfe. Er ist ein Tag der Trauer und der Verantwortung. Menschliches Leid gegeneinander aufzurechnen, führt in eine moralische Sackgasse.

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