Dresden - Blumen sprechen ihre ganz eigene Sprache, ebenso wie die Musik. Beide Sprachen spricht die Dresdnerin Emma Auerbach (28) mit großer Hingabe - als Klavierlehrerin und Besitzerin eines Slowflower- und Bio-Blumenfeldes im Westen der Stadt. Dort komponiert sie bis zu 500 verschiedene Blumensorten zu einem floralen Meisterwerk.
Sie tragen so klangvolle Namen wie Tahiti, Las Vegas oder Precocious. Insgesamt 50 verschiedene Narzissensorten wachsen auf Emmas Blumenfeld "Bei den Blumen". Auch, weil sie Narzissen über alles liebt.
Doch deren Saison ist nun bald vorüber. Die Frühblüher ziehen sich zusehends aus den Beeten zurück. Stattdessen blühen nun Anemonen und Ranunkeln in ihren Folientunneln und auch die Sommerblüher stehen schon in den Startlöchern.
In den letzten Wochen wurde fleißig gesät und pikiert, gepflanzt und Beete vorbereitet, damit schon bald Löwenmäulchen, Zinnien, Cosmeen, Sonnen- und Ringelblumen, Chrysanthemen, Dahlien und viele andere bezaubernde Blüten auf den etwa 1800 Quadratmetern Anbaufläche erblühen können - und zwar regional, saisonal und ganz ohne Pestizide.
Dafür steht die Slowflower-Bewegung, der auch Emma angehört. "Wir könnten in Deutschland viele Blumen selbst anbauen. Aber 90 Prozent unserer Blumen werden importiert", bedauert die Dresdnerin, die in Brandenburg geboren und in der Oberlausitz aufgewachsen ist.
Selbst ist die Frau
Nachhaltige Schnittblumen seien deshalb hierzulande Mangelware. "Blumensträuße sind oft stark mit Pestiziden belastet. Es gibt deshalb sogar Berufskrankheiten bei Floristen", weiß Emma, die selbst in einem Blumenladen gearbeitet hat.
Denn nach ihrem Studium an der Hochschule für Kirchenmusik in Dresden im Jahr 2022 wollte sie noch eine handwerkliche Ausbildung anschließen. "Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich bekam Einblicke, wie der Markt funktioniert", sagt sie.
"Aber ich wollte auch nachhaltig sein. Doch ich konnte keinen nachhaltigen Produzenten finden."
Nach etlichen Jahren der Recherche, einigen Büchern und Weiterbildungen entschied sie sich schließlich, es einfach selbst zu machen und begann nach einem geeigneten Feld zu suchen.
Nach einem Jahr wurde sie endlich fündig, bei Podemus. "Das war früher hier ein Weizenfeld. Weil es aber ein Biobetrieb ist, war die Fläche für den Start gut geeignet", erzählt Emma.
Learning by doing
Im März 2023 ging es dann richtig los. Nur mit einer kleinen Bodenfräse und jeder Menge Handarbeit beackerte sie die Fläche, baute ein Gewächshaus auf und startete auf mehr als 150 Beeten mit der Anzucht - inklusive Anfänger-Fehlern.
"Es ist learning by doing. Ich musste lernen, dass Pflanzen auch einfach sterben. Gerade im ersten Jahr bin ich nicht hinterhergekommen, alles rauszupflanzen", erinnert sie sich. Auch die Sorten wechselten, weil der Standort für einige nicht ideal war.
In den folgenden Jahren kamen außerdem ein Geräteschuppen, eine Komposttoilette und eine Blumenhütte dazu. Wenn dieses Jahr alles gut läuft, will sich die junge Unternehmerin im nächsten Jahr flächenmäßig erweitern, und zwar mit tatkräftiger Unterstützung von Anne Dreßler (39), die ab 2027 als Geschäftspartnerin einsteigen will.
Die Gartenbauingenieurin ist kein neues Gesicht "Bei den Blumen". Seit 2024 hilft sie immer wieder mit. "Das war also der logische, nächste Schritt und ich freue mich sehr", sagt Emma.
Kunden zahlen seltener
Der Großteil ihrer Blumen wird über die Selbstpflücke (24/7 geöffnet) geerntet.
"Leider haben wir seit letztem Jahr Probleme damit, dass seltener bezahlt wird", bedauert sie.
Obendrein kann man ihre Blumen in einigen Dresdner VG-Märkten kaufen oder eimerweise Blumen für Feierlichkeiten bestellen. Die Lieferung an Blumenläden sei für die Zukunft geplant.
Infos unter: beidenblumen.de
Bei Import-Ware ist Vorsicht angeraten
Ob zum Geburtstag, zum Jubiläum oder beim Krankenbesuch: Ein Blumenstrauß soll Freude bringen. Doch was wenige wissen: Die konventionellen Schnittblumen können sogar gesundheitsschädigend sein.
Denn häufig finden sich auf ihnen Rückstände von (krebserregenden) Pestiziden und Fungiziden, die beim Anbau und Transport zum Einsatz kommen. Sie sollen Krankheiten verhindern, Schädlinge fernhalten und die Haltbarkeit verlängern.
Bislang gibt es in der EU dazu keine Grenzwerte. Als besonders belastet gelten Blumen aus Südamerika und afrikanischen Ländern, die teilweise mit Pestiziden arbeiten, die in der EU nicht zugelassen sind und als hochgefährlich eingestuft werden.
Untersuchungen zeigen, dass Menschen, die über einen längeren Zeitraum Pestiziden ausgesetzt sind, zum Beispiel unter Muskel- oder Kopfschmerzen, aber auch Hautproblemen und Nervenschäden leiden können. So gilt Parkinson als anerkannte Berufskrankheit bei Floristen.