Vorm Hutball im Parkhotel: Wirbel um dieses Poklatscher-Poster

Dresden - Ein Plakat sorgt für mächtig Wirbel - zu Recht? Der Hutball im Parkhotel wirbt mit einem Motiv, das von Veranstalter Steffen Grosche (50) unsensibel gewählt wurde. Es zeigt einen Herren, der eine Dame versohlt. Es ist eine Vorlage für alle, die sich gegen Gewalt gegen Frauen einsetzen.

Der Hutball im Parkhotel ist ein Fixpunkt im Dresdner Party-Kalender.  © Eric Münch

Doch vor der Empörung lohnt sich ein genauer Blick auf das Plakat, das übrigens 2011 schon einmal verwendet wurde.

Auf der Kopfbedeckung des Herren prangt nämlich ein Spruch, der sinnbildlich für irrwitzige Dummheit steht: "Romanes eunt domus". Es ist das grammatisch falsche, lateinische Graffiti ("Römer geht nach Hause") aus dem legendären Monty-Python-Film "Das Leben des Brian".

Brian schreibt den Satz an die Stadtmauer. Ein römischer Centurio erwischt ihn dabei. Die Strafe: Brian muss nicht etwa in den Kerker. Nein, er muss den korrekten Satz 100-mal an die Wand schreiben!

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Wird auf dem Plakat also männliche Dummheit aufs Korn genommen?

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Das Hutball-Poster aus dem Jahr 2011 ist etwas nüchterner gestaltet (l.). 15 Jahre später löst das Motiv von Grafiker Michael Kremer eine Diskussion über Gewalt an Frauen aus.  © Bildmontage: PR

Der Veranstalter möchte mit der Bildgebung keine Gewalt verherrlichen

Der kreative Kopf und Veranstalter des Hutballs im Parkhotel: Steffen Grosche (50) von "Waterloo Produktion".  © Petra Hornig

Diese Frage kann der Dresdner Künstler Michael "Spacke" Kremer leider nicht mehr beantworten. Der Grafiker, dessen Handschrift unendlich viele Scheune- und Schaubudensommer-Plakate tragen, starb 2022.

Er hatte Dutzende Motive für den Hutball entworfen, deren Vorrat sich nun dem Ende zuneigt. Übrigens zeigte das 2019er-Hutball-Plakat eine Frau, die einen Mann übers Knie legt! Ein Aufschrei gegen Gewalt gegen Männer blieb aus.

Und was sagt Veranstalter Grosche von Waterloo Produktion dazu? "Die Debatte und der Austausch zeigen, dass das Motiv jede Menge und insgesamt womöglich zu viel Interpretationsspielraum bietet. Auf genau diesen hätten wir rückblickend verzichten sollen, denn selbstverständlich möchten wir mit der Bildgebung niemanden vor den Kopf stoßen oder gar Gewalt verherrlichen."

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Und weiter: "Der Künstler hat immer wieder auch das Spannungsfeld Mann-Frau aufgegriffen. Nicht selten verbunden mit einem Augenzwinkern oder einem versteckten Hinweis." Laut Veranstalter wurden bis dato auch keine Tickets zurückgegeben.

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